Architekt Gehry wird 80

Sei dekonstruktiv!

Frank O. Gehrys zerklüftete Gebäude sind das ideale Abbild unserer Zeit - und mit ein bisschen Bastelei leicht nachzubauen. Dem Architekten der Krise zum 80. Geburtstag.

Im westfälischen Herford gibt es eine prima Eisdiele, und einen echten O.Gehry. Bild: dpa

Verdreht schief werfen die Fassaden sich wie tanzend in die Böe, zerklüftet sind die Oberflächen, als hätten sie schon einige Katastrophen überstanden. Mit ihren geschwungenen Flächen und rasanten Kanten wirken die Gebäude des amerikanischen Architekten Frank O. Gehry immer irgendwie verletzt, nie heil. Sie sind damit vielleicht die perfekten Abbilder der Krise - in einer Zeit, in der nichts mehr gerade verläuft, Lebensläufe nicht, die Konjunktur nicht, die Zukunft schon gar nicht.

Seine Architektur drückt seine eigene Unsicherheit aus, hat Gehry einmal gesagt, der seinen jüdischen Namen Ephraim Owen Goldberg aus Angst vor Diskriminierung ablegte und nur das O. für Owen behielt. In dieser Unruhe und dem Unglauben an eine geradlinige Welt entwirft er - und wurde so zur Marke. Er prägte den Begriff Dekonstruktivismus und jenen des "Star-Architekten", mit dem sich Städte von Bad Oeynhausen bis Los Angeles schmücken wollen.

Auch die gewagte Materialwahl, mit der Gehry vor allem beim Bau seines eignen Hauses im kalifornischen Santa Monica für Aufsehen sorgte, ist krisenideal, weil preiswert: Maschendraht, Holz, Wellblech, Gipskarton, wild gemischt.

Seine Häuser seien "multiple Persönlichkeiten", sagt Gehry, und die wollen gerne im Mittelpunkt stehen. Ob die Walt-Disney-Concert-Hall in Los Angeles, das Vitra Design Museum in Weil am Rhein oder sein berühmtestes Werk, das Guggenheim-Museum in Bilbao: auf den Inhalt kommt es kaum an. Besucht werden die Gebäude der Architektur wegen. Das hat Gehry harte Kritik eingebracht: Eitel sei seine Arbeit, selbstsüchtig, sie schere sich nicht um die Umgebung und den Zweck - und sei nicht am Reißbrett, sondern am Computer entworfen.

Das kontert der Architekt. In der Zeichentrickserie "Die Simpsons" lieh er der Frank-Gehry-Figur seine Stimme und demonstrierte, wie er wirklich arbeitet: ein Blatt Papier zerknüllen, auf dem Boden werfen, fertig ist der Gehry. Ein Schritt, der mit dem obigen Modell (in der taz Printausgabe) leicht nachzuahmen ist. Falls Sie auch mal was dekonstruktivieren und den Architekten zu seinem heuten 80. ehren wollen, zum Aggressionsabbau und als ersten Schritt zum Star-Architekten - oder aus der kreativen Krise. Und falls es schief wird und irgendwie zerknüllt aussieht. Das soll so.

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