Nach Attacke auf Pizzeria in Mügeln: Spur in rechte Szene

Die erneute Schlägerattacke auf eine Pizzeria in der sächsischen Kleinstadt verübten keine Unbekannten: Eine Bürgerinitiative ordnet die Verdächtigen der örtlichen rechten Szene zu.

Armes Mügeln: In der sächsischen Kleinstadt haben wohl wieder Rechte zugeschlagen. Bild: ap

Die erneute Tätlichkeit gegenüber zwei Indern im sächsischen Mügeln trägt nach Erkenntnissen des örtlichen Vereins "vive le courage" klar ausländerfeindliche Züge. "Beide Tatverdächtige gehören der uns bekannten rechten Szene am Ort an", sagte Roman Becker als Sprecher der Initiative, die sich nach dem rassistischen Aufruhr vor der Pizzeria eines Inders im Sommer 2007 gebildet hat.

Es sei lediglich unklar, ob einer der beiden Schläger tatsächlich bereits vorbestraft und nur auf Bewährung in Freiheit sei. Die ermittelnde Staatsanwaltschaft in Leipzig wollte sich zum Ermittlungsstand noch nicht äußern. Es werde aber "unter Hochdruck" an der Aufklärung gearbeitet, sagte Sprecher Ricardo Schulz.

In der Nacht zum vergangenen Sonnabend hatten ein junger Mann, dessen Schwester und deren Freund zunächst die bereits geschlossenen Türen und Fenster der Pizzeria "Picobello" attackiert. Genau in jenes Lokal waren im August 2007 am Schluss des Altstadtfestes acht Inder nach einer Schlägerei im gegenüberliegenden Bierzelt geflohen. Am Wochenende reagierte die Angreifer offenbar ihren Frust darüber ab, in der Gaststätte "Filmriss" abgewiesen worden zu sein, weil einem der beiden Männer dort Hausverbot erteilt worden war. Pizzeria-Inhaber Amarjit Sing rief daraufhin zunächst die Polizei an, bevor zwei indische Mitarbeiter vor der Tür nachsehen gingen. Dabei wurden sie von den Männern angegriffen, wobei einer einen Schlagring benutzte. Ein Mitarbeiter erlitt einen Nasenbeinbruch, der andere kam mit blauen Flecken davon. Auch diesmal soll es Zeugen auf dem benachbarten Marktplatz gegeben haben, die aber nicht eingriffen. Die aus Oschatz eintreffende Polizei konnte zumindest einen 29-jährigen Tatverdächtigen mit typischem Neonazi-Outfit stellen. Nach Aufnahme der Personalien wurde er wieder freigelassen.

Juristisch ist die Aufarbeitung der Vorfälle von 2007 zwar abgeschlossen. Erst im Februar wurde das letzte von vier Urteilen wegen Volksverhetzung und Körperverletzung gesprochen. Mügeln und speziell die Pizzeria aber kommen nicht zur Ruhe. Im Vorjahr wurde ein Fahrer zusammengeschlagen und die Hintertür des Gebäudes attackiert. Roman Becker bestätigt einen Einschüchterungseffekt. Der ohnehin sehr zurückhaltende und öffentlichkeitsscheue Inhaber Singh wisse sich kaum noch zu helfen und suche Rückhalt. "Vive le courage" habe deshalb jetzt Telefonnummern mit ihm ausgetauscht, um im Ernstfall schneller als die Polizei helfen zu können. "Wir wissen auch, wo potenzielle Täter wohnen und können der Polizei Hinweise auf deren Rückweg geben", meint Becker. Vertreiben lassen wolle sich Singh aber nicht.

Mügelns Bürgermeister Gotthard Deuse (FDP) hat am Dienstag die Pizzeria besucht. Über den Inhalt des Gesprächs will er sich nicht äußern und verweist auf eine kurze Mitteilung der Stadtverwaltung. "Wir sind über den Vorfall vom Wochenende entsetzt", heißt es darin. Die Stadt wolle bei der Aufklärung helfen. "Es werde so vieles aufgebauscht", hatte Deuse zunächst geäußert.

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