Kölner Archiv-Einsturz

Bundesweite Razzia bei Baufirmen

Auf der Suche nach Verantwortlichen hat die Staatsanwaltschaft deutschlandweit Baufirmen-Büros durchsucht. Kölns CDU sucht weiter nach neuen Oberbürgermeister-Kandidaten.

Wer trägt die Schuld am Schaden? Die Überreste des Kölner Stadtarchivs. Bild: dpa

KÖLN taz Die Kölner Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Einsturz des Historischen Stadtarchivs intensiviert. Auf der Suche nach den Verantwortlichen für das schwere Unglück, bei dem Anfang März zwei Menschen ums Leben gekommen waren, ließ die Behörde am Dienstag bundesweit rund 40 Objekte durchsuchen. An der Razzia waren mehr als 200 Polizisten beteiligt.

Ungebetenen Besuch bekamen unter anderem die Zentrale der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) sowie Niederlassungen von Baufirmen und Ingenieurbüros, die an den U-Bahn-Bauarbeiten in der Domstadt beteiligt sind. Durchsuchungen gab es außer in Köln auch in Berlin, München, Essen, Düsseldorf, Karlsruhe, Wiesbaden, Erfurt, Dillenburg, Ratingen, Hilden und Frankfurt am Main. Laut Angaben der Staatsanwaltschaft sollten mit der Razzia Beweismittel für ein Sachverständigengutachten sichergestellt werden, von dem sie sich Aufschluss über die Ursache für den Einsturz des Stadtarchivs und zweier benachbarter Häuser erhofft. Bei den Durchsuchten handele es sich aber nicht um Beschuldigte. Es bestehe "nach wie vor kein Anfangsverdacht gegen eine bestimmte Person". Die Strafverfolger ermitteln wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung sowie Baugefährdung gegen Unbekannt.

Die Razzia überschattete die gestrige Aufsichtsratssitzung der KVB, die sich ebenfalls mit der Aufarbeitung des Unglücks im Severinsviertel beschäftigte. Personelle Konsequenzen, wie sie von SPD, Grünen und Linkspartei gefordert werden, lehnte das Gremium ab. So scheiterte die Abberufung des heftig in der Kritik stehenden technischen Vorstands Walter Reinarz am Widerstand von CDU, FDP und auch der Arbeitnehmervertreter, die überraschend geschlossen für Kölns Ex-CDU-Chef votierten.

Unterdessen ist die CDU nach dem Verzicht von Amtsinhaber Fritz Schramma weiter verzweifelt auf der Suche nach einem neuen Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl Ende August. Die Personalfindung gestaltet sich schwierig, denn die Ausgangsbasis könnte gar nicht schlechter sein. Nach der Affäre um dubiose Beraterverträge führender kölscher Christdemokraten und dem dilettantischen Krisenmanagement Schrammas in der Folge des Unglücks am Waidmarkt steht die CDU vor einem Scherbenhaufen. Laut einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Omniquest kommt sie mittlerweile in der Wählergunst weit abgeschlagen nur noch auf 26,1 Prozent. SPD (35,1 Prozent) und Grüne (19,6), die den früheren Regierungspräsidenten Jürgen Roters als gemeinsamen OB-Kandidaten ins Rennen schicken, können hingegen mit einer komfortablen absoluten Mehrheit im Stadtrat rechnen.

Zudem ist die CDU untereinander heillos zerstritten, mit einem großen Rückhalt aus den eigenen Reihen kann ein potentieller OB-Kandidat also nicht rechnen. So hält sich die Begeisterung möglicher Anwärter in Grenzen. Parteichef Jürgen Hollstein hat bereits ebenso abgewunken wie die Kölner Bundestagsabgeordnete Ursula Heinen und Wolfgang Bosbach, Vize-Chef der Unionsfraktion im Bundestag. Ebenso zerschlagen haben sich wohl auch die Hoffnungen der CDU, mit einem Enkel des Altbundeskanzlers Konrad Adenauer antreten zu können. Doch sowohl der 64-jährige Notar Konrad Adenauer, der sich vor dem Rückzug Schrammas zunächst selbst ins Gespräch gebracht hatte, als auch sein 48-jähriger Bruder Patrick, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Selbstständiger Unternehmer, erteilten den Werbern inzwischen eine Absage. Noch nicht öffentlich geäußert hat sich Paul Bauwens-Adenauer. Aber der 54-jährige Präsident der Kölner Industrie und Handelskammer, dem hinter dem Rücken Schrammas bereits vor zweieinhalb Jahren die OB-Kandidatur vergeblich angetragen worden war, scheint ebenfalls kein Interesse zu haben. "Soweit ich weiß, gibt es von meinen Brüdern keinen, der hierfür zur Verfügung steht", sagte Patrick Adenauer.

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