BUND studiert Straßenbäume

Bäume führen Schattendasein

Langsam, aber stetig sinkt die Zahl der Straßenbäume. Die Bezirke kümmern sich nicht mehr richtig und riskieren so einen Verlust von Lebensqualität, sagen Umweltschützer.

Bäume am Brandenburger Tor Bild: ap

Jahr für Jahr sinkt die Zahl der Straßenbäume in Berlin um rund 2.000. Das ergibt sich aus den Angaben der Bezirke, die der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) ausgewertet hat. "Die Bezirke vernachlässigen die Bäume", sagte BUND-Mitarbeiterin Anke Willharms am Donnerstag. "Dadurch ist der Baumbestand langfristig gefährdet."

Berlin gilt als eine der grünsten Städte Deutschlands - auch dank der vielen Linden, Ahorne, Eichen und Platanen in den Straßen. Sie sorgen im Sommer für Schatten, sie sind Staubfänger und steigern die Lebensqualität. Nach Angaben des Senats gibt es derzeit gut 420.000 Bäume an Berlins Straßen. Die Bezirke haben nach ihren Angaben in den Jahren 2005 bis 2007 rund 15.000 Straßenbäume gefällt, aber nur knapp 8.800 neu gepflanzt. Unter dem Strich sinkt der Bestand an Bäumen also derzeit jährlich um rund 0,5 Prozent. "Das fällt nicht sofort auf, wird aber dazu führen, dass Berlin in einigen Jahren deutlich weniger grün ist", sagt Willharms. Vor allem in der Innenstadt. Denn gerade dort werden Bäume oftmals nicht ersetzt - viele der Neupflanzungen finden in Neubaugebieten wie Adlershof statt.

Viel Hoffnung auf Besserung hat der BUND nicht. "Das System als solches funktioniert nicht mehr", sagt Willharms. Die Bezirke würden zum Beispiel häufig keine Bäume mehr selbst pflanzen, sondern dies von Firmen erledigen lassen. Das Gießen und Pflegen der Bäume werde zunehmend von 1-Euro-Jobbern übernommen. Das Grünflächenamt kontrolliere auch oft nicht mehr, ob Baumwurzeln bei Bauarbeiten beschädigt werden. "Die Bezirke müssen mehr Geld für die Grünpflege erhalten, und sie dürfen dieses auch nicht für andere Zwecke ausgeben", fordert Willharms.

Besonders viele Bäume verschwanden in Pankow: Auf 2.780 gefällte Bäume in den Jahren 2005 bis 2007 kamen nur 1.270 neu gepflanzte. Der Bezirk mit dem größten Missverhältnis ist Spandau: Von 630 gefällten Bäumen wurde nur rund jeder zehnte Baum ersetzt. "Viele Bäume werden lieber gefällt als gepflegt, weil es billiger ist", kritisiert Willharms. Eine positive Bilanz hat allein Mitte: Der Bezirk pflanzte 1.840 Bäume und fällte nur 420.

Wer selbst zum Baumschützer werden will, sollte junge Bäume bei Bedarf im Sommer gießen und festgetrampelten Boden mit einer Harke auflockern. Es können auch Bäume gespendet werden. Das allerdings wird teurer: Die Bezirke verlangen dafür oft nicht mehr nur die 200 bis 300 Euro für den Baum, sondern bis zu 1.000 Euro: Die Bürger sollen auch die Kosten für die Firma übernehmen, die die Bäume pflegt.

.

Mit der taz Bewegung bleibst Du auf dem Laufenden über Demos, Diskussionen und Aktionen in Berlin & Brandenburg. Erfahre mehr

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben