Hamburger Gemeinde schließt Vorsitzenden aus

Judentum nur vorgetäuscht

Die Jüdische Gemeinde Hamburg schließt ihren ehemaligen Vorsitzenden aus. Die Vorfahren, auf die er sich bislang stets berief, sollen angeblich nie existiert haben.

Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (r) und Andreas C. Wankum bei der Unterzeichnung des Staatsvertrags für die Jüdische Gemeinde im Jahre 2007. Bild: dpa

HAMBURG taz Hamburgs jüdische Gemeinde hat ihren ehemaligen Vorsitzenden Andreas C. Wankum ausgeschlossen. Der 53-jährige CDU-Politiker bestätigte am Sonntag einen Bericht des Spiegel, wonach er ein entsprechendes Schreiben der Gemeinde erhalten habe. Wegen "arglistiger Täuschung" über seine Religionszugehörigkeit werde seine Mitgliedschaft mit "sofortiger Wirkung" beendet, heißt es in dem Brief, den er am Freitagabend per Boten zugestellt bekam. Der Gemeindevorstand wolle sich "einer kritischen Person entledigen", sagte Wankum.

Nach bisher unbekannten Dokumenten, die im Hamburger Staatsarchiv ausgewertet wurden, gibt es dem Schreiben zufolge keinen Hinweis auf Wankums Zugehörigkeit zum Judentum. Die Dokumente über die Familie des 1955 im fränkischen Erlangen geborenen CDU-Bürgerschaftsabgeordneten galten als verschollen. Wankum beruft sich auf eine jüdische Mutter. Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Ruben Herzberg, bezweifelt das. Ein Übertritt zum Judentum war von Wankum verneint worden.

Der frühere Hamburger Landesrabbiner Dov-Levy Barsilay hatte Wankum die Zugehörigkeit zur jüdischen Religion im Jahr 2000 auf der Grundlage von Dokumenten und Zeugenaussagen bestätigt. Dem Gemeindevorstand hatte Barsilay die Dokumente jedoch nicht vorgelegt.

Der neue Gemeindevorsitzende Herzberg sah jedoch keine Situation, "die mit dem Beichtgeheimnis vergleichbar wäre" und die Nichtherausgabe der Belege rechtfertigen könnte. Der Rabbiner wurde deswegen mehrfach abgemahnt und vorigen September entlassen. Das Dokument, das Barsilay als Rabbiner ausweise, bezeichnete Herzberg als "ungültig". Derzeit streiten die Kontrahenten vor dem Arbeitsgericht um die Kündigung.

Wankum und die jüdische Gemeinde, deren Vorsitzender er von 2003 bis 2007 war, befehden sich seit langem heftig. Der Vorstand um Herzberg warf kurz nach Amtsantritt Ende 2007 dem Vorgänger Wankum "Misswirtschaft" vor. Wankum konterte, der "linkssozialistische Vorstand" habe "wirtschaftlich keine Ahnung".

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