Physiker entwickelt "Wolfram Alpha": Eine Antwort- statt Suchmaschine

Gibt man eine Frage bei Google ein, findet man alle Seiten, auf denen die Stichwörter vorkommen. Wolfram Alpha verspricht, stattdessen eine konkrete Antwort zu liefern.

Noch in diesem Mai soll es hier Antworten geben. Zumindest auf die Frage ob diese Suchmaschine etwas taugt. Bild: screenshot wolframalpha.com

Seit Stephen Wolfram, britischer Physiker und Autor des im Wissenschaftsbetrieb äußerst beliebten Mathematik-Programmes "Mathematica", seine neue Suchmaschine angekündigt hat, rätselt das Web, ob es sich bei der Technologie um bloßen Hype oder eine wirkliche Offenbarung handelt. Die noch im Mai verfügbare Site namens Wolfram Alpha soll ganz neue Blicke auf im Internet enthaltene Informationsberge ermöglichen, die bislang nur schwer zu durchforsten sind.

Der große Unterschied zwischen Wolfram Alpha und Google ist die jeweilige Datenbasis. Während Google ein echter so genannter "Crawler" ist, der das Web komplett durchforstet und die Wichtigkeit von Dokumenten mit Hilfe verschiedener Kriterien "rankt" und dem Nutzer dann eine bestimmte Reihenfolge präsentiert, greift Wolfram Alpha auf eine strukturierte Informationsbasis zu.

Das können wissenschaftliche und geographische Datenbanken sein, verlässliche Infos aus Wikipedia und anderen Lexika sowie von Mitarbeitern kuratierte Inhalte. Außerdem kann Wolfram Alpha rechnen: Zahlen werden als Eingaben gewertet, nicht als Informationen, die man irgendwo im Web suchen will. (Google macht das etwa bei Währungen allerdings schon länger ebenfalls so.)

Erste Tests, die US-Medien wie "Search Engine Land" und "Technology Review" in dieser Woche durchführen durften, erscheinen viel versprechend: Besonders wissenschaftliche Informationen werden mit einer bislang ungekannten Breite aufbereitet. Wolfram Alpha versucht, die eingegebenen Suchbegriffe in eine Beziehung zu setzen und mit ihnen Berechnungen durchzuführen.

Tippt man beispielsweise "Sydney New York", spuckt die Seite in Tabellenform die Abstände zwischen beiden Metropolen in drei verschiedenen Einheiten aus, präsentiert eine Weltkarte, zeigt an, dass man bei einer solchen Reise 40 Prozent des Erdumfangs überfliegen würde und im Flugzeug 18,1 Stunden, mit Lichtgeschwindigkeit aber nur 74 Millisekunden unterwegs wäre. Selbst Bevölkerungszahlen und die aktuelle Uhrzeit in beiden Städten werden dargeboten.

Beispiel Medikamente: Gibt man "Aspirin" ein, erhält man zahllose wissenschaftliche Informationen von der molekularen Darstellung bis zum Siedepunkt oder diversen anderen physikalischen Parametern.

In anderen Fällen haut Wolfram Alpha allerdings auch schon mal daneben. Im Test von "Technology Review" ergab die Eingabe von "Krebs New York" nicht etwa eine Liste mit der aktuellen Krebsstatistik, sondern Infos zum Sternbild Krebs und wie man dieses von New York aus am besten im Nachthimmel erkennen kann. Google führte den Nutzer hingegen direkt auf Seiten mit aktuellen Daten zu der todbringenden Krankheit aus der amerikanischen Metropole.

Suchmaschinenexperten wie Danny Sullivan glauben dennoch, dass Wolfram Alpha das Web verändern könnte. Zwar handele es sich hierbei nicht um einen Google-Killer. Doch werde das Angebot sicher schnell zu einem wichtigen Bestandteil des Suchwerkzeugkastens vieler Nutzer.

Google reagiert unterdessen bereits prophylaktisch auf Wolframs viel beachteten Volley: Letzte Woche gab der Suchmaschinenriese bekannt, er werde sein Angebot um öffentlich zugängliche statistische Daten erweitern, die sich interaktiv verändern lassen. Gibt man dann beispielsweise "unemployment rate santa clara" ("Arbeitslosenzahlen für Santa Clara") ein, erhält man einen Graphen, den man mit weiteren Datenquellen aus anderen Regionen in Beziehung setzen kann.

Integriert in das System wurden zunächst unter anderem Datenbestände des US-Volkszählungsamtes und der statistische Abteilung der amerikanischen Arbeitsbehörde. "Aber das ist nur der Anfang", schrieb Google-Produktmanager Ola Rosling im offiziellen Weblog des Konzerns.

So werde man Dienste des schwedischen Spezialanbieters Trendalyzer mehr und mehr in sein Angebot integrieren. Die Firma war vor zwei Jahren von Google übernommen worden und bietet ein Produkt, mit dem große Datenmengen über ein spezielles Interface navigiert werden können. So lassen sich Ausgangswerte mit wenigen Klicks ändern, wie man das beispielsweise von Tabellenkalkulationen her kennt.

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