Fremdenhass in Griechenland: Neonazis jagen Flüchtlinge in Athen

In Griechenlands Hauptstadt belagern Rechtsradikale ein altes Gerichtsgebäude, in dem Einwanderer seit Monaten unter menschenunwürdigen Bedingungen leben.

Bei den Auseinandersetzungen in Athen wurden 14 Menschen verletzt. Bild: dpa

ATHEN afp/ap | Im Zuge einer Kundgebung von Neonazis gegen ausländische Einwanderer sind in Athen 14 Menschen verletzt worden. Bei den Auseinandersetzungen am Samstagabend, an denen sich auch Linksextreme beteiligt hätten, seien neun Polizisten und fünf Einwanderer verletzt worden, teilte die griechische Polizei am Sonntag mit. Die Rechtsextremen riefen fremdenfeindliche Parolen und zeigten den Hitlergruß.

Rund 300 Neonazis versammelten sich am Samstagabend auf dem Omonia-Platz im Zentrum von Athen, um "die Befreiung Athens und Griechenlands von den Horden illegaler Einwanderer" zu fordern. Die Polizei riegelte den Platz ab, um Zusammenstöße mit mehreren linksgerichteten Gruppen und Nichtregierungsorganisationen zu verhindern, die gegen die Versammlung demonstrierten.

Die Neonazis zogen anschließend vor das ehemalige, seit dem Jahr 2000 leer stehende Berufungsgericht von Athen, das seit mehreren Wochen von rund 500 von Abschiebung bedrohten Einwanderern besetzt ist. Mitglieder der rechtsextremen Gruppe Chryssi Avghi (Goldene Morgendämmerung) attackierten das Gebäude mit ohrenbetäubenden Granaten und anderen Wurfgeschossen, riefen Parolen wie "Griechenland den Griechen" und zeigten den Hitlergruß. Die Rechtsradikalen verletzten fünf Einwanderer, von denen zwei ins Krankenhaus gebracht wurden. Einwanderer und griechische Unterstützer warfen Steine aus den oberen Etagen. Die Polizei setzte daraufhin Tränengas ein. Einige Einwanderer warfen der Polizei vor, sie nicht ausreichend vor den Angriffen geschützt zu haben. Aus Furcht vor weiteren Übergriffen wollten sie die Nacht über selbst Wache halten. "Wir haben nichts getan", sagte der 33 Jahre alte Fouad aus Marokko. "Hier in Griechenland gibt es keine Menschenrechte."

In der Nähe der Polytechnischen Schule attackierten rund 150 Autonome, die gegen die "rassistische Versammlung" protestierten, Sicherheitskräfte mit Molotowcocktails und anderen Wurfgeschossen. Dabei wurden neun Beamte leicht verletzt. Die Polizei setzte Tränengas ein, die Demonstranten suchten daraufhin Zuflucht in der Schule. Einer von ihnen wurde wegen Angriffen auf Polizeibeamte mit Molotowcocktails und Steinen festgenommen.

Am Freitag hatten mehrere Menschenrechtsgruppen die Zustände in dem ehemaligen Gerichtsgebäude kritisiert. Die 500 Einwanderer müssen in dem achtstöckigen Haus ohne fließendes Wasser und Strom, sanitäre Anlagen und Müllbeseitigung auskommen.

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