Weniger Verbrechen: Deutschland ist sicher

Bundesinnenminister Schäuble stellt die Kriminalstatistik für das Jahr 2008 vor und freut sich über einen Rückgang der Delikte.

Die Polizei musste 2008 weniger Straftaten verfolgen als ein Jahr zuvor. Bild: dpa

Wenn früher der bayerische Innenminister Günther Beckstein mit den aktuellen Kriminalstatistiken vor die Presse trat, schlotterten der Halbwelt die Knie. Denn eine handfeste Bedrohung des deutschen Staates gab es immer zu verkünden - und der Maßnahmenkatalog wurde als Antwort meist gleich mitgeliefert.

Ganz anders am Montag in Berlin: Da stellten Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) und sein Bremer Amtskollege Ulrich Mäurer (SPD) die Kriminalstatistik 2008 vor - und verkündeten vor allem gute Nachrichten.

Denn die Anzahl der registrierten Straftaten ist um 2,7 Prozent auf rund 6,1 Millionen zurückgegangen. "Der positive Trend konnte fortgesetzt werden", freute sich Schäuble, "Deutschland ist ein sicheres Land".

Auch die Jugendgewalt ging zurück: Die Anzahl der Tatverdächtigen sank um 4,2 Prozent auf 265 000. Bei den tatverdächtigen Kindern gab es nach einem Anstieg im Vorjahr wieder einen leichten Rückgang auf rund 100 000 Fälle. Besonders Körperverletzungen und Diebstähle sind bei Jugendlichen weniger geworden.

Zahlen, über die sich der Bundesinnenminister "sehr freut", wenngleich Schäuble die vorhandene "Gewaltbereitschaft große Sorge" bereite. Hier sei Präventionsarbeit gefordert. Schäuble: "Die Arbeit fängt schon in den Elternhäusern und Schulen an."

Von einer Trendwende bei Gewaltkriminalität und Körperverletzung wollten allerdings weder Schäuble noch Mäurer sprechen. Diese sei trotz des leichten Rückgangs mit rund 350 000 Fällen "weiter auf hohem Niveau", wie Mäurer sagte. Man sei noch weit von den Werten früherer Jahrzehnte entfernt.

Erfreuliche Werte gab es bei der Ausländerkriminalität - die Anzahl der Tatverdächtigen verringerte sich um 3,9 Prozent. Damit ist der Rückgang sogar stärker als bei den deutschen Straftätern, bei denen der Wert nur 1,1 Prozent beträgt. Der Unterschied ist auch auf vereinfachte Einreisebedingungen von Bürgern aus den neuen, osteuropäischen EU-Ländern zurückzuführen.

Vor einem übereilten Vergleich der Bundesländer warnte Mäurer. Zwar seien die Statistiken für die Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg besser als die von Bremen, Berlin oder Hamburg - allerdings hinke dieser Vergleich. "Städte sind Kriminalitätsschwerpunkte", sagte Mäurer, "man kann nur Flächenländer oder Städte gegenüberstellen".

Bei den Städten über 200 000 Einwohnern hat Frankfurt die meisten Kriminaldelikte. Knapp 16 000 Straftaten pro 100 000 Einwohner wurden in der Bankenstadt registriert. Dahinter folgen Hannover, Bremen und Berlin.

Bei der Aufklärungsstatistik ist die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover zusammen mit Nürnberg Spitze - zwei von drei Straftaten werden aufgeklärt. Der Grund ist kurios: "In Hannover gibt es die meisten Fahrkartenkontrolleure", sagt der Mäurer.

Am anderen Ende der Statistik findet sich Münster wieder. Dort werden nur 42 Prozent der Straftaten gelöst. Die Ursache dafür ist die hohe Dichte von Fahrrädern. "Diese Diebstähle werden selten aufgeklärt", sagte Mäurer. Zu viele Fahrräder, stellten die beiden Senatoren mit einem Augenzwinkern fest. Bei der Kriminalstatistik in diesem Jahr durfte sogar gelacht werden.

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben