Sanierung des Atomlagers Asse

Mehrere Milliarden Euro für Asse

Umweltminister Gabriel rechnet mit deutlich höheren Sanierungskosten für das Atomlager in Asse. Indes ist belegt, dass schon bei der Gründung mit Laugeneinbrüchen gerechnet wurde.

"Das Volllaufen der Grube billigend in Kauf genommen": Atommülllager Asse. Bild: dpa

Die Sanierung des Atomlagers in Asse wird bis zu 4 Milliarden Euro kosten und damit teurer werden als bei ersten Schätzungen angenommen. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel sagte am Freitagabend in Wolfenbüttel, dass die Sanierung "2, 3, vielleicht auch 4 Milliarden Euro" kosten werde. Darüber, wer für diese Kosten aufkommt, wird noch gestritten. Selbst Morsleben sei, verglichen mit der Asse, "ein wohlgeordnetes, wenn auch problematisches Endlager". Die Kosten der Asse würden daher klar über den 2,2 Milliarden Sanierungskosten von Morsleben liegen.

Von 1967 bis 1978 wurden in dem ehemaligen Bergwerk Asse insgesamt 126.000 Fässer mit schwach- und mittelaktivem Müll deponiert. Im vergangenen Jahr wurde bekannt, dass das Lager mit radioaktiver Lauge kontaminiert ist. Zudem gibt es unkontrollierte Wasserzuflüsse, und Deckenkammern drohen einzustürzen.

Nach Angaben des Historikers Detlev Möller, der die Geschichte der Atommüllendlagerung in Deutschland erforscht hat, habe man bei der Einrichtung des Endlagers Asse von vornherein "das Volllaufen der Grube billigend in Kauf genommen". Dies sei die eigentliche Grundlage des heutigen Skandals, sagte der Historiker. So hoben Beamte des Bundesforschungsministeriums schon nach der ersten Besichtigung des Bergwerks im Jahr 1964 vor allem dessen niedrigen Kaufpreis von nur 600.000 Mark "als positiv zu werten" hervor. Zur Sicherheit bemerkten sie dagegen skeptisch, es bestehe "wohl keine akute Gefahr".

Beim zuständigen Oberbergamt im Clausthal-Zellerfeld bestand 1965 nach dem Kauf die Sorge, "dass die Asse früher oder später Opfer eines Laugeneinbruchs wird" und dass man "mit der Asse ein Laugenloch übernommen" habe. Diesen Bedenken begegnete man mit einer Sicherheitsstudie. Diese ging dann irrigerweise davon aus, dass selbst nach einem Wassereinbruch ein Austritt radioaktiver Stoffe aus dem Bergwerk ausgeschlossen sei. Späteren Sicherheitsbetrachtungen legte man die Annahme zugrunde, dass auf lange Sicht "kein Raum der Grube trocken bleibt".

Bei der Durchsicht alter Akten stellte Möller zudem fest, dass die Asse "bis 1973 klipp und klar als Endlager" bezeichnet wurde. So ging der Bund 1971 davon aus, dass die Grube bis zum Jahr 2000 rund 250.000 Kubikmeter radioaktive Abfälle aufnehmen werde. Die 1966 erstellten Arbeitspläne für das Atommülllager sahen jeweils erst "Versuchseinlagerungen", dann aber "dauernde Einlagerungen" für radioaktive Stoffe niedriger, mittlerer und ausdrücklich auch hoher Aktivität vor. Erst ab 1974 bezeichnete die Bundesregierung die Asse als "Versuchsanlage". Die Deponierung hochradioaktiver Abfälle in der Asse wurde Anfang der 70er-Jahre zwar angekündigt, dazu kam es aber nicht.

Der Historiker ist auch auf alte Kostenvergleiche gestoßen, die bei der Entscheidung für das Lager eine große Rolle spielten. So errechneten die zuständigen Beamten, dass die seinerzeit übliche Versenkung von Atommüll im Atlantik 212 Mark pro Kubikmeter, die Deponierung in einem gut genutzten Bergwerk aber nur 140 Mark pro Kubikmeter koste. Nach dem günstigen Kauf der Asse kostete dann aber die bauliche Herrichtung der Grube "etwa 100 Millionen DM", wie man später festhielt.

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