die wahrheit: Einkauf in letzter Minute

SPD wirbt Merkel von CDU ab. Steinmeier wird Bundesnachwuchstrainer der Jusos. Sozis rechnen mit Wahlsieg. Am Ende ging es dann ratzfatz...

Nach dem Transfer wurden die Wahlplakate schleunigst überklebt oder abgehängt. Bild: reuters

Kurz nachdem am Sonntagabend die Kameralichter beim großen Kandidatenduell auf allen vier Kanälen verloschen waren, zog der Parteivorstand der SPD die Reißleine, fuhr zur CDU-Zentrale hinüber und legte dem verhandlungsführenden Wirtschaftsflügel der Union ein pralles Bündel Bargeld auf den Tisch.

Bis 24 Uhr nur hatte man noch Zeit, den Deal perfekt zu machen, denn dann schlossen für die laufende Legislaturperiode die Transferlisten der Pipa (Politicians in Party Association), in der weltweit alle in Parteien organisierten Politiker Zwangsmitglied sind und deren Statuten sie zu Beschlüssen und Handlungen verpflichten, wie sie in den jeweils gültigen Parteiprogrammen festgelegt wurden.

Schon länger hatte der Exekutivausschuss der Pipa deshalb sowohl die Bundeskanzlerin als auch ihren Rivalen und Vizekanzler im Visier und wiederholt ermahnt, sich an das Reglement zu halten und politische Differenzen entsprechend ihrer Parteizugehörigkeit erkennen zu lassen. Diese Warnungen führten schließlich bei dem SPD-Vorsitzenden Müntefering zu der Idee, gleich zwei gordische Knoten vom Hals zu bekommen.

Auf einen Schlag konnte er den eigenen Spitzenkandidaten ohne Erfolgsaussichten loswerden und zugleich mit der Kanzlerin auf den SPD-Plakaten einen historischen Wahlsieg einfahren. Denn sogar vorsichtige Prognosen kamen auf ein Traumergebnis von 70 Prozent, zusammengesetzt aus den verbliebenen Stammwählern und den Stimmen persönlichkeitsfixierter Merkelwähler(innen).

Warum also hätte man sich im Willy-Brandt-Haus diese Win-win-Gelegenheit durch die Lappen gehen lassen sollen? Schließlich standen auf der Verkäuferseite entschlossene Männer bereit, denen die Unionsvorsitzende schon viel zu lange parteikonträre Politik betrieb und die ganze Spielanlage von Rechtsaußen ins linke Mittelfeld verlagerte. Und wenn man in einer großen Volkspartei etwas benötigt, dann ist es Geld - am besten gebündelt und in nummerierten Scheinen, damit es beim Zählen schneller geht.

Ob auch die CSU in den Coup eingeweiht war, ist bis heute unklar. Immerhin war auch Horst Seehofer in der Nacht zum Montag eigens nach Berlin gereist, um zusammen mit Wolfgang Bosbach eine hübsche Transfersumme für Angela Merkel entgegenzunehmen und deren Freigabe für den Spielbetrieb der SPD zu unterschreiben.

Offen blieb zunächst, ob im Rahmen eines Tauschgeschäfts Steinmeier zusammen mit der Transfersumme zur Union überwechseln sollte. Diese Option ließ man von CDU-Seite aber freiwillig fallen, weil die Parteitaktik keinerlei Einsatzmöglichkeit im laufenden Wahlkampf erkennen ließ. Dafür entschloss man sich im SPD-Vorstand, den ausgedienten Kandidaten zur Zucht abzustellen und zum alleinverantwortlichen Bundesnachwuchstrainer der Jusos zu machen.

Doch auch im Konrad-Adenauer-Haus rieb man sich die Hände! Schon im Vorfeld der nächtlichen Vertragsverhandlungen waren die Parteibosse nämlich auf die FDP zugegangen und hatten ihr gesteckt, dass man noch vor Mitternacht im Besitz einer großen Menge Geldes sei. Um die Liberalen neugierig zu machen, hatte die Hessen-CDU dafür nächtens die monetären Spendenrestbestände aus den Weinkellern von Verteidigungsminister Jung per Düsenjet einfliegen lassen und in einen schmucken Geldkoffer gepackt.

Ein kurzer Blick von Parteichef Westerwelle reichte, um auf der Stelle die Partei zu wechseln und das Transferangebot auf den Kanzlerkandidatenposten für die CDU/CSU anzunehmen. Seine 15-Prozent-Entourage brachte er selbstverständlich gern in die Fusion mit der so geschaffenen Wirtschaftsunion ein.

Am Ende waren nur noch technische Kleinigkeiten zu regeln. So verpflichtete sich die SPD, kurzerhand alle Steinmeier-Plakate abzuhängen; die CDU erklärte sich bereit, unter dem Konterfei der Kanzlerin den CDU-Schriftzug mit dem der SPD zu überkleben; und die FDP war einverstanden, auf ihren Westerwelle-Plakaten nur noch die CDU-Parole "Wir haben die Kraft" zu präsentieren.

Ob sich diese Arbeit aber lohnt, wird sich erst am Wahlabend zeigen. Immerhin hat die Pipa die Verträge schon geprüft und grünes Licht gegeben. Aber gerade von Seiten der Grünen könnte es eine Wahlanfechtung geben. Denn wenn ausgerechnet sie beim Transfer der Summen leer ausgegangen wären, hätte das mit Demokratie und Fairness nun wirklich nichts zu tun.

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