Sozialplan

Weser Kurier: Altes Eisen raus!

Eine "Neuregelung" kündigte der Vorstand des Weser Kurier-Verlags allen "Mitarbeitern der Jahrgänge 1952 und älter" per Post an: Sie sollen ausscheiden.

Für ältere Mitarbeiter geht's hier nicht weiter: der Weser-Kurier. Bild: Archiv

Gut 60 langjährige Mitarbeiter des Weser Kuriers haben am 14. November - das war ein Samstag - einen persönlichen Brief ihres Verlages im Briefkasten gefunden. Mit dem Brief wurden sie zu einer "Informationsveranstaltung über Transfergesellschaften" eingeladen.

"Alle Mitarbeiter der Jahrgänge 1952 und älter" seien von der "Neuregelung" betroffen, heißt es in dem von den Vorständen Ulrich Hackmack und Florian Kranefuß maschinenschriftlich unterzeichneten Brief. Bedenkzeit sei bis nur zum 18. Dezember, um an den "Vorteilen" dieses Ausscheide-Modells teilzuhaben. Denn aufgrund der wirtschaftlichen Lage sei nicht absehbar, ob solche "für das Unternehmen kostenintensive Angebote auch im nächsten Jahr noch möglich sein werden.Mit freundlichen Grüßen ...".

Die betroffenen Mitarbeiter waren über das Wochenende allein mit dieser Nachricht. "Bitte seien Sie versichert, dass diese Einladung nicht in Zusammenhang mit Ihrer Arbeitsleistung steht", heißt es netterweise in dem Schreiben. Wirklich? Am Montag gab es bei vier Kollegen einen Anruf des Vorstands Hackmack, der Brief sei ein Versehen, sie seien "nicht gemeint". Es gibt auch ältere Mitarbeiter, die gar keinen Brief erhielten.

Betriebsrat und Vorstand seien sich in der Sache "einig", heißt es in dem Schreiben. "Stimmt nicht", formulierte der Betriebsrat des Weser Kuriers sofort am Montag danach in seinem Infoblatt: "Es stimmt nicht, dass wir uns mit dem Vorstand einig sind, kurzfristig einen freiwilligen Interessenausgleich und Sozialplan abschließen zu wollen." Allerdings war das Modell im Jahre 2009 schon für die Anzeigengestaltung verhandelt worden. 15 Kollegen war über die Transfergesellschaft und den Sozialplan eine weiche Landung in der Alters-Arbeitslosigkeit angeboten worden, 13 hatten eingewilligt. Auf dieses Modell bezog sich der Vorstand.

"Da die bisherigen Maßnahmen zur Kostensenkung bei weitem nicht ausreichen, um drastische Ertragsrückgänge zu kompensieren", sollte das Modell auf alle älteren Kollegen ausgedehnt werden, so das Argument. Was der Brief verschweigt: Wenn es betriebsbedingte Kündigungen geben würde, dann wären die Jahrgänge "1952 und älter" weniger betroffen, weil sie durch längere Betriebszugehörigkeiten mehr Schutz vor Kündigungen haben. Zuerst müssten die jungen, neuen Kräfte gekündigt werden - und das will der Verlag offenbar vermeiden.

Auch der Betriebsrat ist in der schwierigen Lage, einschätzen zu müssen, ob die latente Drohung mit betriebsbedingten Kündigungen ernst zu nehmen ist. Denn wie die wirtschaftliche Lage wirklich ist, wissen die Vertreter der Belegschaft nicht: Seit Jahrzehnten schon klagen sie darüber, dass die Konstruktion der Weser Kurier-Gruppe so ist, dass Gewinne leicht auf die Besitzer-Familien Hackmack und Meier übertragen werden können und in der Bilanz der Bremer Tageszeitungen AG (Bretag) als "Kosten" auftauchen.

Dass die Gewinne in 2009 nicht mehr so sprudeln wie früher, ist dabei jedem Beobachter der Szene klar. Jüngst hatte Bretag-Vorstand Florian Kranefuß versucht, für den kränkelnden Bremer Anzeiger ein Ersatz-Blatt unter dem Titel "Bremen kompakt" an den Start zu bringen - war aber an den Familien Hackmack und Meier im Aufsichtsrat gescheitert.

Nach einer turbulenten "Informationsveranstaltung" des Vorstands im November hat es inzwischen Gespräche mit dem Betriebsrat gegeben. Der Weihnachtstermin als Ultimatum ist vom Tisch, die Drohung bleibt, und neue Vorstands-Briefe sollen noch zum Fest kommen.

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