Muslimischer Karnevalsprinz Amir I

Redeverbot beim Gottesdienst

Der muslimische Karnevalsprinz Amir I aus Bonn darf beim traditionellen Mundartgottesdienst nichts sagen - das übernimmt die christliche Prinzessin. Was sagt uns das?

Jeder Jeck ist anders: Karnevalsprinz Amir I. Bild: Stadt Bonn

Jeder Jeck ist anders, im Rheinland weiß man das, und das ist ja auch das Schöne an Karneval. Ein Jeck hat nun aber Probleme bekommen, eben weil er nicht der Mehrheitsgesellschaft angehört und obendrein ein Prinz ist. Amir I. führt dieses Jahr die Bonner Karnevalsgesellschaft an, schüttelt Hände, verteilt Kamelle und hält Reden. Für einen Gottesdienst im Bonner Münster hat er aber Redeverbot bekommen - und das, weil er an Allah glaubt.

Amir I., im wirklichen Leben Amir Shafaghi, wurde in Teheran geboren und kam mit zehn Jahren nach Deutschland. Hier sah er seinen ersten Rosenmontagsumzug und steckte sich mit dem Bazillus carnevalensis an, schreibt er auf seiner Homepage. Nun, fast 30 Jahre später, ist er Prinz. Dass er ein Muslim ist, war bisher kein Problem. Karneval ist ja was Lustiges, und Humor vereint die Menschen.

Bei dem traditionellen "Mundartgottesdienst" aber hört der Spaß auf, denn der war zwar ökumenisch, aber eben nicht interreligiös, und die katholische Kirche hat klare Richtlinien für so einen Fall: "Nach der Ordnung unserer Kirche ist die Mitwirkung an Gottesdiensten auf Christen beschränkt, die mit uns das Glaubensbekenntnis an den dreifaltigen Gott teilen", erklärte Stadtdekan Monsignore Wilfried Schumacher. Im Klartext: zuschauen ja, mitmachen nein.

Die Karnevalsgesellschaft in Bonn wusste schon vorher über diese Regelung: Statt Amir sollte Bonna Uta I., die Prinzessin an seiner Seite, sprechen. Festausschuss-Präsident Horst Bachmann erklärt: "Das Ganze war schon Wochen vorher mit dem Prinzenpaar abgesprochen."

Vor dem Gottesdienst berichtete dann aber der Bonner General-Anzeiger, dass Prinz Amir I. sehr traurig sei über das Redeverbot. Woher dieser Sinneswandel kam, weiß niemand, er löste jedoch eine heftige Reaktion aus. "Erzbistum verbietet Moslem das Wort", wurde da getittelt und "Redeverbot für Amir I. schlägt hohe Wellen".

Horst Bachmann versteht die Aufregung nicht: "Das wurde alles nur hochgespielt", sagt er. Und auch Haluk Yildiz, muslimischer Stadtverordneter von Bonn, findet den Fall nicht so schlimm: "Wir stehen zum Stadtdekanat. Wenn es um einen Gottesdienst geht, verstehen wir das."

Der Einzige, der in dieser ganzen Aufregung stetig schweigt, ist der Prinz. "Der wird dazu nichts mehr sagen", erklärte Horst Bachmann der taz. Man kann nur hoffen, dass der Prinz nicht schon wieder Redeverbot hat. Das wäre nämlich wirklich nicht lustig.

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