Sarkasmus-Detektor im Netz: Verdammter Spott

Drei Forscher aus Israel haben eine Software entwickelt, die Sarkasmus im Internet automatisch erkennt. Dafür wühlten sie sich heldenhaft durch 66.000 Amazon-Bewertungen.

Emotionen im Web: Viele Nutzer erkennen Sarkasmus in Internet-Communities oder Produktbewertungen nicht. Bild: spacejunkie/photocase.com

BERLIN taz | Kein Medium kann so spöttisch sein wie das Web – Online-Communities und Kundenbewertungen sind voll von schwarzem Humor. Was vielen Usern oft nicht gelingt – nämlich Sarkasmus zu erkennen – soll jetzt einer Software gelingen. Dafür haben israelische Forscher eine Methode entwickelt, die sie Sasi nennen. Sie bestimmt vollautomatisch, ob es sich bei einer Rezension zu einem Produkt im Internet um eine ernst gemeinte Bewertung handelt – oder eben nicht. Jedenfalls im Prinzip.

Das Team aus drei Forscher um Ari Rappoport von der Hebrew University of Jerusalem entwickelte den Sarkasmus-Detektor anhand von Kundenbewertungen zu Produkten auf Amazon. „Versichere dich, dass du die Rechnung aufbewahrst“ oder „Hat alle Funktionen die man braucht – nur schade, dass die nicht funktionieren“ als Kommentar für ein Smart-Phone sowie „Für dieses Buch mussten Bäume sterben?“ sind Sätze, die für die Entwicklung des Programms analysiert wurden.

Hierfür wurden die Kundenrezensionen zu 120 Produkten von Kommenatoren bewertet. Wurde ein Satz als sarkastisch einstuft, wurde dieser als Beispiel ausgewählt und in eine fünf-stufige Skala eingeordnet, wobei Stufen eins für eine normale Formulierung steht und Stufe fünf für eine definitiv sarkastische.

Um die Muster hinter dem Sarkasmus zu erkennen, wurden nun 80 Sätze mit solchen Formulierungen genau analysiert. Darin waren Wortabfolgen und Zeichenmuster erkennbar, die als Hinweis auf Sarkasmus verwendet werden können.

Mit diesen Mustern untersuchte das Programm anschließend alle 66.000 Kundenrezensionen – ausgenommen die 80 vorher ausgesuchten Sätze. 15 Probanden beurteilten dann die Ergebnisse, die Sasi ausspuckte. In vier von fünf Fällen gab es eine Übereinstimmung der Beurteilungen – ein ganz ordentlicher Wert, wenn man bedenkt, wie unterschiedlich Sarkasmus je nach kulturellen Hintergründen einer Person gewertet werden kann.

Kommende Woche stellen die drei Forscher ihr Programm auf einem internationalen Kongress über Webblogs und soziale Medien der Association for the Advancement of Artificial Intelligence in Washington vor.

Wozu aber ist es gut, wenn auch Computer Sarkasmus verstehen? Das Forscher-Team schlägt vor, Sasi einzusetzen, um ganz allgemein Bewertungen von Produkten oder anderen Dingen im Internet wiederum selber zu bewerten – und je nach Politik des Hauses ganz nach unten oder ganz nach oben zu sortieren. "Sarcasmus-Erkennung könnte die Zusammenfassung von Beurteilungen und Rangfolgen leistungsfähiger machen", schreiben die Forscher.

Wie schön, dass es Wissenschaft gibt.

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