Kommentar Schicksal der Fabrik: Nicht zu Ende gedacht

Die Hamburger Kulturbehörde macht einen schlechten Eindruck, weil sie in Gutsherren-Art Veränderungen in der Fabrik erzwingen will und dabei jeden Respekt vor den Beteiligten vermissen lässt.

Schlecht steht sie da, die Hamburger Kulturbehörde unter Leitung von Karin von Welck (parteilos), nachdem ihr Umgang mit dem Kultur- und Kommunikationszentrum Fabrik öffentlich wurde. Weil die Behörde in Gutsherren-Art Veränderungen in der Fabrik erzwingen will und dabei jeden Respekt vor den Beteiligten vermissen lässt. Und weil sie die gewünschten Veränderungen noch nicht mal benennen kann: Wirtschaftlichkeit sollen sie bringen. Aha. Aber wie?

Es wirkt so, als hätte die Behörde nichts zu Ende gedacht. Denn selbst wenn es ihr gelingt, den Geschäftsführer Horst Dietrich abzusägen: Welche Perspektiven hätte sein Nachfolger? Ein Programm bisheriger Güte lässt sich ohne entsprechendes Geld nicht stemmen und aus der traditionsreichen Fabrik einen Mainstream-Laden zu machen, würde vom Publikum nicht angenommen. Die Fabrik unter der Maßgabe der Behörde zu leiten, wäre ein Himmelfahrtskommando.

Zumal das Programm der Fabrik bereits jetzt so breit aufgestellt ist, wie es nur sein kann, wenn einerseits musikalischer Anspruch und andererseits Besucherzahlen berücksichtigt werden sollen. An welchen Stellschrauben soll dann gedreht werden? Höhere Eintritts- und Getränkepreise? Weniger Stadtteilkulturarbeit? Beides wäre der Tod für das alte "Kultur für alle"-Projekt Fabrik. Darüber sollte sich die Behörde im Klaren sein.

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Jahrgang 1973, fing als Kultur-Redakteur der taz in Bremen an und war dann Redakteur für Kultur und Gesellschaft bei der taz nord. Als Fellow im Digital Journalism Fellowship der Hamburg Media School beschäftigte er sich mit der digitalen Transformation des Journalismus und ist derzeit Online-CvD in der Norddeutschland-Redaktion der taz.

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