Wegen Berichten über Aktivisten: Russische Umweltzeitung beschlagnahmt

Die Tagesproduktion beschlagnahmt, ein Mitarbeiter verhaftet: In Russland ist die Polizei gegen eine Umweltzeitung vorgegangen. Sie hatte über Waldschützer berichtet.

"Die Prawda von Chimki lebt": verbotene russische Umweltzeitung im Internet. Bild: Screenshot / www.ecmo.ru

Die russischen Behörden haben die Zeitung der Waldschützer des Moskauer Vorortes Chimki in der Druckerei beschlagnahmt. Dies berichtete jetzt die russische Sektion von Greenpeace. Derzeit werde die Zeitung, so Greenpeace, von den Behörden auf mögliche extremistische Inhalte untersucht. Auch der Chef der Druckerei ist vorübergehend festgenommen worden.

Allerdings war zum Zeitpunkt der Beschlagnahmung bereits eine kleine Ausgabe der Zeitung gedruckt und ins Moskauer Greenpeace-Büro gebracht worden. Zudem haben die Waldschützer von Chimki die verbotene Zeitung mit dem Titel Die Prawda von Chimki lebt inzwischen auf ihre Homepage www.ecmo.ru gestellt.

In der beschlagnahmten Ausgabe berichten die Umweltschützer unter anderem von einem Hearing, zu dem die Stadtverwaltung von Chimki eigens Leute aus der Umgebung in Bussen angekarrt hatte. "Viele hatten uns berichtet, dass man auf sie Druck ausgeübt habe, dem Hearing beizuwohnen und sich für den Bau der Trasse durch den Wald auszusprechen", so die Sprecherin der Waldschützer von Chimki, Jewgenija Tschirikowa, gegenüber grani.ru.

Am 26. August hatte Präsident Medwedjew dem Druck der Umweltschützer nachgegeben und einen vorläufigen Stopp bis zum Abschluss weiterer Hearings verkündet. Bei der Entscheidung über das Schicksal des Waldes von Chimki würden nicht nur wirtschaftliche, sondern auch ökologische Kriterien berücksichtigt, ließ der Präsident verlauten. Erst nachdem man in Hearings die Meinung von Fachleuten und der Öffentlichkeit eingeholt habe, werde eine endgültige Entscheidung gefällt werden.

Die Entscheidung über den Bau einer Autobahn von Moskau nach St. Petersburg war 2006 getroffen worden. Von Anfang an hatten sich Umweltschützer aus Chimki, einer kleinen Moskauer Vorstadt, gegen den Plan gestemmt, ihren Eichenwald dafür roden zu lassen. Im November 2008 war der damalige Sprecher der Waldschützer, Michail Beketow, Chefredakteur der Prawda von Chimki, von Unbekannten so schwer zusammengeschlagen worden, dass man ihm einen Unterschenkel und mehrere Finger amputieren musste. Nach dem Überfall wurde die Prawda von Chimki eingestellt.

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben