Kinderwunsch

Hurra, es ist ein Ahlhaus!

Miese Umfragewerte, Koalitionszwist, Senatorenschwund: All das lässt Hamburgs Bürgermeister Christoph Ahlhaus ziemlich kalt. Denn der Mann arbeitet an einem wirklich zukunftsweisenden Projekt: Nachwuchs muss her.

Die Querstreifen beweisen: Es ist ein Ahlhaus. Bild: Foto [Montage]: Mathias the Dread / photocase.com, dpa

Die folgende Geschichte wird von den gewöhnlich gut informierten Parteikreisen kolportiert, doch niemand wird sie je offiziell bestätigen. Im vergangenen Sommer soll sie sich zugetragen haben - Ole von Beust, der Übervater der Hamburger CDU, hatte seinen Rücktritt erklärt, Christoph Ahlhaus stand für die Nachfolge in den Startlöchern und die CDU vor einem gewichtigen Problem.

Wie einen Mann aufbauen, von dem selbst das der CDU gewogene Hamburger Abendblatt schrieb, er wirke wie "der älteste 40-Jährige Hamburgs", sei der Mann "der nach Delmenhorster Fußgängerzone aussieht". Ein Mann, der seine Leibesfülle durch quer gestreifte Ringelleibchen auch noch geschickt betont und eher Balu dem Bären ähnelt als einem jung-dynamischen, zupackenden und tatendurstigen Politiker. Einer mit Streber-Image, dem man auf den ersten Blick den stellvertretenden Filialleiter bei Tengelmann, nicht aber den Ersten Bürgermeister einer Metropole abnimmt. Kurzum: Ein Mann mit einem Imageproblem, das Wahlerfolge kosten kann.

An einem Sommerabend, so wird nun überliefert, sollen sie sich getroffen haben, um dieses Imageproblem konsequent anzugehen. Wichtige Parteifunktionäre - ausschließlich Männer - vornehmlich aus den mächtigen CDU-Kreisen Wandsbek und Nord saßen da zusammen und kamen schnell überein, dass Ahlhaus als Von-Beust-Kopie völlig ungeeignet sei.

Zudem, befand die Runde, gelte es, Ahlhaus zum Symbol des konservativen Markenkerns der CDU zu machen, jene wertebewusste Wählerklientel anzusprechen, der von Beust bisweilen zu modern, zuletzt auch zu links und schon immer zu schwul war.

Da Ahlhaus mit einer ausgesprochen hübschen und beruflich erfolgreichen Frau verheiratet ist, war die Strategie schnell gefunden. Simone Ahlhaus muss im ersten Schritt als neue First Lady - die Hamburg so lange vermissen musste - in den Vordergrund geschoben werden, auf das ein wenig von dem Glamour, den sie ausstrahlt, auf den mausgrauen Gatten abfärbe.

Im zweiten Schritt gehe es dann darum, auf die Keimzelle der Gesellschaft zu setzen, die Familie. Doch da die Familie im christdemokratischen Verständnis eindeutig aus Vater-Mutter-Kind besteht, war der Arbeitsauftrag für den Bürgermeisterkandidaten schnell formuliert. Quasi per informellem Parteibeschluss wurde der Bürgermeisterkandidat verpflichtet, für Nachwuchs im eigenen Hause zu sorgen. Und zwar doch bitte rechtzeitig vor der nächsten Wahl im Frühjahr 2012.

Wie gesagt, die Geschichte dieses Hinterzimmertreffens lässt sich nicht beweisen und vielleicht ist es auch egal, ob sie genauso, ganz ähnlich oder womöglich auch gar nicht stattgefunden hat. Halten wir uns also lieber an die Fakten: Kurz nachdem dieses Treffen stattgefunden haben soll, begann Ahlhaus eine Werbetour in eigener Sache, absolvierte einen Medienmarathon und tauchte dabei nie mehr quer gestreift, dafür aber stets mit Gemahlin, der bis dato fast unbekannten Simone Ahlhaus auf.

Und Frau Ahlhaus verkündete jedem, der es hören wollte, nicht nur, dass ihr Mann entgegen aller öffentlichen Wahrnehmung "ein ganz lockerer und lustiger Typ" sei, sondern auch, dass zum gemeinsamen Glück nur noch eines fehle: ein Baby. Damit war das medienwirksame Bild der Familie Ahlhaus in die Welt gesetzt, nur das Kind eben noch nicht. Und statt Vollzug zu melden, legte Simone am gestrigen Donnerstag in der Bunten noch einen drauf: "Zwei Kinder wären schön."

Nun tickt die Uhr. Die Monate bis zur nächsten Wahl zerrinnen. Unerbittlich. Zwar reicht die Rest-Legislaturperiode noch locker für zumindest eine komplette Schwangerschaft, doch wer weiß schon, ob die schwarz-grüne Koalition noch bis zum planmäßigen Ende durchhält. Dass aus dem Hause Ahlhaus noch immer keine frohe Botschaft zu vernehmen ist, beginnt die ersten Parteifreunde zu irritieren. Er schufte einfach zu viel, der Christoph, ist hinter den Kulissen zu vernehmen. Er solle sich nicht überarbeiten, nur arbeiten, nicht alle von sich überzeugen, nur …

Fest steht: Es hat noch nicht geklappt. Das gilt als sicher, denn Simone steht unter ständiger Beobachtung der Medien. Schließlich will jeder Hamburger Journalist es als erster erfahren, als erster publizieren, wenn sich da etwas ankündigt. So wird nicht darauf geschaut, was für ein Kleid, welchen Schmuck Simone Ahlhaus bei offiziellen Anlässen trägt. Das mediale Interesse richtet sich ganz verstohlen darauf, ob Frau Ahlhaus noch zum Sektkelch greift, dem ersten Gläschen gar noch ein zweites folgen lässt. Sie tut es - ein sicherer Indikator dafür, dass das Ehepaar Ahlhaus sich noch in der Übungsphase befindet. Ahlhaus gibt sich da betont locker: "Wir verkrampfen uns da nicht", gewährte der Bürgermeister der Bunten einen Einblick in sein Sexualleben, den wirklich niemand braucht.

So muss die Koalition noch etwas halten - neun Monate plus x lautet die unverrückbare Formel. Der Umzug der Familie Ahlhaus von der Mietwohnung am Fischmarkt in die Elbvororts-Villa, die genügend Platz für ein oder auch zwei Kinderzimmer hat, ist längst geplant.

Und wenn das Kommando schief geht, der Kinderwunsch nicht rechtzeitig in Erfüllung geht? Vor wenigen Tagen hat Christoph Ahlhaus mit Andreas Fritzenkötter, dem ehemaligen Medienstrategen von Helmut Kohl, einen persönlichen Polit- und Imageberater eingestellt, der für "Grundsatzfragen" verantwortlich zeichnen soll und nun gleich vor seiner ersten Bewährungsprobe steht. Denn dass der etwas vorschnell angekündigte Klein-Ahlhaus mit Sicherheit eine Grundsatzfrage für die Imagebildung von Groß-Ahlhaus ist, davon dürfen wir doch wohl ausgehen.

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