Oracle gibt bei freier Software nach : OpenOffice wieder offen

Nachdem der neue Partner Ärger machte, zogen sich viele Entwickler aus dem OpenOffice-Projekt zurück. Nun gibt sich der Softwareproduzent Oracle zahmer.

Firmensitz von Oracle in Redmond, Kalifornien. Bild: dapd

Im Streit um die Zukunft des freien Büropakets OpenOffice bleibt es bei einer Zweiteilung. LibreOffice, das sich nach Spannungen mit dem Softwarehersteller Oracle vom Hauptprojekt abgespalten hat, will weiter alleine an der Software arbeiten - mit dabei sind zahlreiche Entwickler, die OpenOffice den Rücken gekehrt haben, nachdem der Softwarehersteller Oracle das Projekt übernommen hatte. Oracle teilte zuvor mit, OpenOffice nun doch komplett in die Hände der Open-Source-Community geben zu wollen, nachdem über Monate ein Streit um Kommerzialisierung getobt hatte.

Es hörte sich anfangs ein wenig nach Familienkrach an: Als der Datenbankriese Oracle im letzten Jahr den Computerkonzern Sun Microsystems übernahm, änderte sich beim freien Büropaket OpenOffice viel. Es war von zahllosen Entwicklern in aller Welt über Jahre als konkurrenzfähige Alternative zu Microsofts Bürosoftware Office aufgebaut worden - auch mit der Unterstützung von Sun. Das Unternehmen stellte Programmierressourcen zur Verfügung und trug auch sonst einiges zum Start des Projekts bei.

Als nun Oracle auftauchte - eine Firma, die nicht als großer Unterstützer freier Software bekannt war -, kippte die Stimmung. Schon im Herbst gingen drei Dutzend Entwickler von OpenOffice zur mittlerweile gegründeten Document Foundation, die mit LibreOffice schnell eine Alternative zu OpenOffice präsentierte, basierend auf dem Quellcode des freien Büropakets.

Oracles Schritt, nun doch wieder voll auf Open-Source zu setzen, wird von vielen kritisch gesehen. So schrieb das Portal Pro-Linux, der Schritt sei "zu klein, zu spät". Aus Oracles Ankündigung gehe hervor, dass die Firma "keine weiteren Ressourcen in OpenOffice.org stecken" wolle. "Möglicherweise wird Oracle alle eigenen Entwickler vom Projekt abziehen. Fraglich ist, ob dann noch eine nennenswerte Entwicklung bei OpenOffice.org stattfindet." Der größte Teil der Gemeinschaft sei ohnehin zu LibreOffice abgewandert.

Wer steckt die meiste Arbeit in die Software?

Bei LibreOffice hält man sich auf Anfrage zunächst bedeckt. Florian Effenberger, Document-Foundation-Gründungsmitglied, verweist auf die offizielle Stellungnahme der LibreOffice-Macher, in der sie sich als offen für neue Mitglieder erklärten. "Eines unserer grundlegenden Prinzipien ist es, dass wir (...) es allen Beitragenden erlauben zu offiziellen Mitgliedern unser Gemeinschaft zu werden."

Nutzern kann die Kabbelei zwischen Oracle und den ehemaligen OpenOffice-Machern auf den ersten Blick egal sein. Sie schlagen sich am besten auf die Seite des Projektes, das die meiste Arbeit in die Software steckt. Das ist nach dem aktuellen Stand eindeutig die Document Foundation und LibreOffice. Oracle hat zwar versprochen, "den fortgesetzten Erfolg von OpenOffice" zu fördern und auch offene Dokumentenstandards zu unterstützen. Doch Geld dürfte es nicht geben. Oracle schreibt zwar, man werde "weiterhin große Investitionen" in Open-Source-Projekte stecken. Dabei erwähnt werden allerdings nur Linux und die Datenbank MySQL, nicht jedoch OpenOffice.

Die Document Foundation sieht sich für die Zukunft gerüstet und will als selbstorganisierte, unabhängige und an Leistung ausgerichtete Stiftung agieren. Interessant dürfte werden, wie viel Unterstützung das Vorhaben von außen bekommt. Ein Großunternehmen ist zunächst nicht in Sicht und wird womöglich auch gar nicht gebraucht. Momentan geht es vor allem darum, die Entwicklung von LibreOffice in Gang zu bekommen, basierend auf dem "alten" OpenOffice.

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