Kommentar Wulff und die "Bild": Die Gesetze des Boulevards

Christian Wulff hätte diesen guten Rat beherzigen sollen: Wer im Aufzug mit der "Bild" nach oben fährt, der fährt mit ihr auch wieder runter. So ist es, Herr Bundespräsident.

So etwas nennt man wohl lernresistent. Wie gehabt versucht Bundespräsident Wulff mit allen Mitteln, die Veröffentlichung von Informationen zu kontrollieren. Waren es vor wenigen Wochen Kreditabsprachen, zu denen das Staatsoberhaupt sich erst bekannte, als es nicht mehr anders ging, geht es jetzt um das wohl berühmteste Telefonat der jüngeren Zeitgeschichte.

In einem auf bild.de veröffentlichen Briefwechsel bat Bild-Chef Diekmann um die Druckgenehmigung der Mitschrift des umstrittenen Telefonats. Wulff wiederum wies auf der Internetseite seines Amtes das Ansinnen mit dem Verweis auf Vertraulichkeit zurück.

Zunächst wird Bild die Mitschrift wohl nicht veröffentlichen. Gleichwohl ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich jemand findet, der druckt, was großzügig in Journalistenkreisen gestreut wird.

Worum geht es eigentlich? Um Pressefreiheit? Ausgerechnet mit der Bild-Zeitung als Speerspitze - dem Blatt, das dafür bekannt ist, alle ethischen Grundsätze zu brechen, wenn es denn der Auflage dient?

Und was ist bei dem Bundespräsidenten los? Wie naiv muss man sein, zu glauben, man könne ein Imperium wie die Bild-Zeitung daran hindern, in die Öffentlichkeit zu tragen, was es will? Oder hat Wulff am Ende die Hoffnung, dass die seriöse Presse sich nun angewidert abwendet von diesem Schmierenkampf?

Das ist nicht möglich. Zwar wollen sich die Qualitätszeitungen mit guten Gründen nicht vor den Karren der Springer-Presse spannen lassen. Aber die Rücktrittsforderungen muss sich Wulff selbst zuschreiben: Ein ums andere Mal hat er sich in Halbwahrheiten verstrickt, um dann viel zu spät um Verzeihung zu bitten.

Letztlich hätte Wulff auf Springer-Vorstandschef Döpfner hören sollen. Der sagt, wer mit Bild "im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten". So, Herr Bundespräsident, sind sie, die Gesetze des Boulevards.

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Ines Pohl (Jahrgang 1967) war von Juli 2009 bis Juni 2015 Chefredakteurin der taz. Bevor sie als politische Korrespondentin für die Mediengruppe Ippen in Berlin arbeitete, leitete sie das politische Ressort der Hessischen /Niedersächsischen Allgemeinen. 2004/2005 war sie als Stipendiatin der Nieman Foundation for Journalism für ein Jahr an der Harvard University. Im Dezember 2009 wurde ihr der Medienpreis „Newcomerin des Jahres“ vom Medium-Magazin verliehen. Seit 2010 ist Ines Pohl Mitglied im Kuratorium der NGO „Reporter ohne Grenzen“. Außerdem ist sie Herausgeberin der Bücher: " 50 einfache Dinge, die Sie tun können, um die Gesellschaft zu verändern" und "Schluss mit Lobbyismus! 50 einfache Fragen, auf die es nur eine Antwort gibt" (Westend-Verlag)

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