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Glückloser Islamistenkrieger

Es ist sein dritter Krieg gegen Äthiopien, und die ersten beiden hat er schon verloren. Sheikh Hassan Dahir Aweys, ideologischer Führer der herrschenden Islamisten in Somalias Hauptstadt Mogadischu, hält sich dieser Tage eher bedeckt. Er gilt in US-Augen als Sympathisant al-Qaidas, und dass er als Vorsitzender der derzeitigen Legislative „Schura“ in Mogadischu das zweithöchste Amt der islamistischen Regierung in Somalias Hauptstadt innehat, bietet den USA und Äthiopien einen hervorragenden Vorwand, militärisch einzugreifen.

Der 61-jährige Aweys hat eine lange und ruhmlose militärische Karriere hinter sich. Seinen ersten Krieg gegen Äthiopien führte er als Oberst der somalischen Armee im Ogadenkrieg von 1977, als Somalia den von ethnischen Somalis besiedelten Osten Äthiopiens eroberte und wieder verlor. Bei seinem zweiten Krieg führte Aweys in der ersten Hälfte der 90er-Jahre die islamistische Miliz al-Ittihad in Somalia, die nach mehreren Jahren von einer äthiopischen Militärintervention zerschlagen wurde. Das Verschwinden von al-Ittihad hinderte die US-Regierung nicht daran, Aweys Jahre später – nach dem Terroranschlägen des 11. September 2001 – als Führer dieser nicht mehr existenten Gruppierung auf ihre offizielle Terrorliste zu setzen.

Aweys gilt als einer der Schöpfer der „islamischen Gerichte“ im staatenlosen Somalia, die sich ab Ende der 90er-Jahre von ihren Anfängen in der Stadt Merca immer weiter ausbreiteten, gefördert von lokalen Geschäftsleuten als Alternative zur Willkürherrschaft der Milizen und Warlords und als Mittel zu Rechtssicherheit zumindest auf lokaler Ebene. Aus diesen Strukturen ging die „Union Islamischer Gerichte“ hervor, deren bewaffnete Milizen im Juni Mogadischu eroberten und seitdem eine provisorische Regierungsstruktur errichtet haben, die sich dem Machtanspruch der international gestützten „Übergangsregierung“ Somalias in der Kleinstadt Baidoa unter „Präsident“ Abdullahi Yusuf widersetzt.

Jetzt, in seinem dritten Krieg, ist für Aweys nicht nur Äthiopien ein vertrauter Gegner, sondern auch Abdullahi Yusuf. Als Yusuf in den 90er-Jahren noch eine lokale Miliz im Nordosten Somalias führte, geriet er kurzzeitig in Gefangenschaft von Aweys. Kein Wunder, dass dieser nicht viel vom Warlord Yusuf hält, den er nun als Präsidenten Somalias anerkennen soll. DOMINIC JOHNSON