poschardt, die bauchredner-puppe von HARTMUT EL KURDI

Die Zeitschrift Vanity Fair selbst ist kaum der Rede wert. Man hat sie im Zug schon auf halber Strecke zwischen Berlin und Hannover gelangweilt ausgelesen und freut sich, dass man sich dann endlich wieder bewusstseinserweiternden Publikationen wie Fisch und Fang oder der Western-Mail zuwenden kann. Schlimm ist allerdings, dass der Kioskstart des Wichtigfühler-Magazins von anderen Medien als „Event“ gehandelt wird und dadurch auch ihr Chefredakteur Ulf Poschardt, die Paris Hilton des Intellektuellengewerbes, mal wieder verschärfte Medienpräsenz bekommt.

Da sitzt er dann zum Beispiel bei Maybrit Illner, offensichtlich willenlos, telepathisch oder per implantiertem UMTS-Handy von Hans-Olaf Henkel ferngesteuert, und gibt Schlichtthesen und Klischees aus dem Gruselkabinett des Neoliberalismus zum Besten, die die Vermutung nahe legen, Dr. Poschardt könnte seinen akademischen Titel beim Karaokewettbewerb auf der Semester-Abschlussparty gewonnen haben. O-Ton Poschardt auf der ZDF-Homepage: „Meine persönliche Gesellschaft unterteile ich nicht in arm und reich, sondern in faul und fleißig. Die Fleißigen müssen dabei gefördert, die Faulen müssen härter rangenommen werden.“

Wie und womit die Sozial-Domina Poschardt die Faulen „härter rannehmen“ will – oder was er sonst noch für erotische Fantasien hat –, verrät er leider in dieser Sendung nicht. Poschardt übt sich lieber im positiven Denken. Schließlich empfindet er sich als Teil einer nach vorn schauenden „Leistungselite“, zu der er auch zweifelhafte Existenzen wie Josef „V“ Ackermann oder Heidi „Ich mag keine fetten Models“ Klum zählt. Oder die Schauspielerin Charlize Theron, um deren Einbürgerung der verklemmte Ulf in seiner Welt-Kolumne dereinst bettelte, sich dabei wahnsinnig pop-provokant fühlend: „Da sich zu viele Deutsche im Reproduktionsstreik befinden, müssen wir das Land attraktiv machen für die Attraktivsten. Die Anwerbung der Gastarbeiter zu Zeiten des Wirtschaftswunders hat eine demographische Lücke kaschiert. Doch anders als Hugenotten und Juden aus Osteuropa wurde diese Migration zu selten eine Bereicherung unserer Gesellschaft. Leider.“

Wie darf man das verstehen? Dass Poschardt, der große Liberale, ehrlich bedauert, dass die damals ins Land geholten hässlich-doofen Türken und Yugos weder seinen ästhetischen noch kulturellen Ansprüchen genügen konnten?

Nun muss man Poschardt zugutehalten, dass er nicht zur Selbstreflexion neigt und er in der Regel keinen Dunst hat, was er da eigentlich von sich gibt. Wie könnte er sonst dem grotesken Irrtum erliegen, er sei ein hart arbeitender Mensch und gehöre zur „Leistungselite“?

Eine komplett sinnlose Publikation wie Vanity Fair zu produzieren ist selbstverständlich keine Arbeit und schon gar keine Leistung. Sondern, wie der Magazintitel bereits verrät, die bloße Befriedigung persönlicher Eitelkeit. Aber manche Karrieren sind eben konsequent: Hat Ulf Poschardt doch schon beim SZ-Magazin bewiesen, dass er nicht in der Lage ist, als Chefredakteur korrekten Journalismus zu gewährleisten. Was macht eigentlich Tom Kummer …?