… ELVIRA BACH?

Ihr Ich feiern

Knallroter Mund, hohe Hacken, wilde schwarze Augen: Elvira Bach hat eigentlich immer nur sich selbst gemalt. Die Frau aus dem Taunus, die 1972 zum Kunststudium nach Berlin gekommen war, erfand sich in der Hauptstadt der Selbstdarsteller neu und wurde eine „Junge Wilde“. Zum Zirkel dieser MalerInnen, die neoexpressive Farbenfreude und die spontane Punk-Geste pflegten, gehörten so einflussreiche Künstler wie Rainer Fetting, Helmut Middendorf oder der exzentische Salomé. Elvira Bach eroberte sich mit ihren kantig-schrillen Frauenfiguren einen festen Platz in der Szene, die gerne durch Kreuzberger Kneipen und Clubs zog. Ihre Frauen, oft als Selbstporträt zu erkennen, stehen rauchend an Tresen, posieren mit Schlange, Cocktailglas oder als „Küchendiva“.

Die emanzipierten Göttinnen brachten Bach den Aufstieg in den internationalen Kunstmarkt – 1982 wurde sie als erste Frau überhaupt auf die Documenta nach Kassel eingeladen. Heute sind Bachs Bilder bis zu 80.000 Euro wert und hängen in Museen und Sammlungen in aller Welt.

Bis heute malt die Künstlerin, die gerne Turban und wildes Ohrgehänge trägt und am 22. Juni 60 Jahre alt wird, unbeirrt ihre Frauen. „30 Jahre immer ich“ heißt denn auch ihre Jubiläumsausstellung in der Galerie Brennecke. Die ist in Charlottenburg, wo Bach schon seit Langem wohnt. Nur zum Malen fährt sie immer noch in ihr Kreuzberger Atelier – vermutlich, weil dank des allgegenwärtigen 80er-Jahre-Revivals die jungen Frauen dort so aussehen wie Bachs Punk- und New-Wave-gestählte Amazonen. API Foto: ap