ORTSTERMIN: SCHAUSPIELERIN SABINE KAACK STELLT IHREN BIO-FAIRTRADE-KAFFEE VOR

Bohnen für Kaschmirträger

Geschminkte Frauen staksen auf High Heels durch die D-Prominenz. Die Männer sind ein bis zwei Jahrzehnte älter

An der Litfaßsäule mitten im Raum hängen Poster von den Rolling Stones und Queen, an der Wand glänzen elektrische Gitarren von der roten Beleuchtung, die der Kneipe wohl einen verruchten Touch verleihen soll. Statt Bierdeckeln liegen auf den Fässer-Tischen heute Kaffeebohnen, und auch die Gäste hier im „Zwick“ in Hamburg-St. Pauli trinken – Kaffee. Eine Frau im knappen Westernoutfit posiert, auf Kaffee-Säcken, für einen Fotografen – später wird Susi noch singen, auf der kleinen Bühne.

„Heute gibt es ganz was Feines“: So begrüßt der Vertriebschef der Firma „Wacken-Kaffee“ die Gäste. Was der Mann im perfekt sitzenden Anzug meint, sind die heißen Bohnen, die beim Rösten im Luftstrom tanzen, jeweils 1.000 Gramm. Anschließend kommen sie in eine schicke Zweihundert-Gramm-Dose. Auf dem Deckel: ein Bild der Schauspielerin Sabine Kaack.

Die wird mit einem „Mega-Metal-Applaus“ auf die Bühne gebeten: Heute ist ihr Tag, im glänzenden Cocktailkleid präsentiert sie ihre Kaffeemarke. Kaack, bekannt aus der TV-Serie „Diese Drombuschs“ oder dem Kinofilm „Bang Boom Bang“, schwärmt vom Heavy-Metal-Festival Wacken, dem Namensgeber der noch jungen Kaffeefirma. „Das war immer ein Mordsspaß“, sagt sie und streckt Zeige- und kleinen Finger hoch. Von jeder verkauften Dose ihres Kaffees gehen 20 Cent an die Wacken-Foundation. Die holt noch mehr Gutes aus der kleinen Dose und unterstützt Newcomer-Bands.

Der Genuss von Kaffee habe für sie einen „besonderen Wert“, sagt Kaack. Sie stamme aus einer Kaufmannsfamilie, habe als kleines Kind miterlebt, wie ihre Familie mit den Angestellten Kaffee trank, alle Standesunterschiede vergessend.

Das offenbar prägte das „kleine Promimädel“, wie sie Antonio Julia-Allen nennt. Zusammen mit seinem Geschäftspartner Lutz von der Geest hatte der Mitbegründer von Wacken-Kaffee Kaack vor einem Jahr gefragt, ob sie Lust auf eine eigene Kaffeemarke habe. Sie sagte sofort zu. Aber bio sollte er sein. Und Fair Trade.

„Ich will nicht schuld daran sein, wenn Menschen unter Pestizideinsatz leiden und in den Selbstmord getrieben werden“, sagt Kaack. Als Prominente stehe sie in der Verantwortung, kaufe ihren Salat deshalb im Bioladen. Ihre Haut pflegt sie mit Nivea-Creme, aber man kann ja nicht alles erwarten.

Beim Präsentationstermin in der geschlossenen Gesellschaft staksen stark geschminkte Frauen auf High Heels durch die versammelte D-Prominenz. Die Männer sind im Schnitt ein bis zwei Jahrzehnte älter, oft braun gebrannt, und auf ihren Kaschmir-Pullovern und gestreiften Hemden sitzen in Brusthöhe variierende Markenzeichen.

Nicht eben das ganz normale Bioladen-Publikum. „Ich möchte das Bewusstsein über fairen Konsum in neue Gruppen bringen“, sagt Kaack. Aber ihr Kaffee sei „nachhaltig im Magen“ – wegen der geringen Säure. Deshalb sei ihre Fairtrade-Marke auch etwas teurer. Das Gute hat seinen Preis. VIVIANE PETRESCU