: Polizisten wegen Folter verhaftet
■ In Südkorea erhielten die verhafteten Polizisten hohe Geldsummen für die Übernahme der Verantwortung für Folterungen / Regierungspartei zu Wahlrechtsänderung bereit / Opposition will jedoch Verfassungsänderung
Seoul (dpa/afp) - In Südkorea sind im Zusammenhang mit dem Foltertod eines 21jährigen Studenten drei weitere Polizisten festgenommen worden. Der Student Park Chong–chol war im vergangenen Januar bei Verhören von Polizeibeamten zu Tode ge foltert worden. Anfang der Woche veröffentlichten katholische Priester eine Erklärung, in der es hieß, daß drei weitere Polizisten neben zwei bereits festgenommenen für Parks Tod verantwortlich seien. Diese Beamten waren am Donnerstag abend festgenommen worden. Nach einem Bericht der Seouler Tageszeitung Joong–Ang–Ilbo soll zumindest einer der beiden im Januar verhafteten Polizisten nach seiner Festnahme von einem hohen Beamten des nationalen Polizeihauptquartiers umgerechnet rund 6.500 Mark, seine Familie monatlich etwa 1.100 Mark erhalten haben. Gegenüber seiner Frau habe der Polizist erklärt, ihm sei eine Rückkehr an seinen Arbeits platz nach dem Ende der Untersuchungen in Aussicht gestellt worden. Daraufhin hätten er und ein Kollege die Schuld am Tod von Park auf sich genommen und die übrigen beteiligten Polizisten gedeckt. Unterdessen hat die südkoreanische Regierungspartei der Opposition Verhandlungsbereitschaft über eine mögliche Änderung des Wahlrechts vor der nächsten Präsidentschaftswahl signalisiert. Dies erklärte der Vorsitzende der Regierungspartei am Donnerstag. Verfassungsreformen, die zu einer grundlegenden Änderung des Wahlsystems führen könnten, stünden jedoch nicht zur Debatte. Die Opposition ist der Ansicht, daß der Präsident bei dem bestehenden Wahlsystem die Möglichkeit hat, einen ihm gemäßen Nachfolger ins Amt zu heben. Folglich fordert sie direkte Präsidentschaftswahlen durch das Volk. Chun hatte die Gespräche über Verfassungsänderungen und die damit mögliche Novellierung des Wahlsystems mit der Opposition im vergangenen Monat abgebrochen. Dieser Entscheidung folgten Demonstrationen und gewaltsame Auseinandersetzungen. Wie aus Oppositionskreisen verlautete, will man dort nicht über eine Änderung des Wahlrechts sprechen. Man halte an der seit langem erhobenen Forderung nach einer Änderung der südkoreanischen Verfassung fest.
taz lesen kann jede:r
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Texte, die es nicht allen recht machen und Stimmen, die man woanders nicht hört – immer aus Überzeugung und hier auf taz.de ohne Paywall. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 40.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen