: Grüne-betr.: "Demokratisierung als Krisenausweg", taz vom 21.10.88
betr.: „Demokratisierung als Krisenausweg“,
taz vom 21.10.88
„So bleiben viele Einwände, doch bislang keine Alternative zur Urabstimmung“, resümiert mtm in seinem Artikel. Sollte ihm das machtpolitische Kalkül wider bessere politisch -intellektuelle Einsicht einen Streich gespielt haben? Denn wie sonst wäre zu erklären, daß es ihm über vier Spalten hinweg nicht gelingt, auch nur einen einzigen Grund für die Urabstimmung des „Aufbruchs“ aufzuweisen, außer dem argumentativen Purzelbaum: „Das Beschwören von Basisdemokratie wird den Grünen aus ihrer politisch konzeptionellen Ratlosigkeit nicht heraushelfen und trotzdem ist die Aufbruch-Initiative der einzige Versuch, die Krise der Partei überhaupt zum Thema zu machen.“ Kurz: die Urabstimmung hilft nichts, aber trotzdem muß sie sein.
Zwar vermerkt mtm die Existenz des „Linken Forums in den Grünen“ und seiner Arbeitstagung am 5./6.November in West -Berlin, wo über ökologische und soziale Antworten auf die Modernisierung der Industriegesellschaft und die Auswirkungen der Perestroika auf emanzipatorische Politik diskutiert werden soll, „doch wie daraus eine Krisenaufarbeitung der Partei sich entwickeln soll, bleibt (ihm, H.W.) rätselhaft“. Vielleicht, lieber Max, liegt des Rätsels Lösung darin, daß wir der Auffassung sind, „daß das Beschwören von Basisdemokratie den Grünen nicht aus ihrer politisch-konzeptionellen Ratlosigkeit heraushelfen wird, wie auch nicht die Thematisierung der Krise der Partei als solcher, indem man „allzusehr auf das Innenleben der Partei schielt“, sondern daß die Grünen „politische Dynamik“ nur wiedergewinnen können, wenn sie die in der BRD und in der Welt vor sich gehenden Veränderungen zur Kenntnis nehmen und für „tagespolitische Einmischung taugliche“ Konzepte entwickeln.
Im übrigen: Bei der Etikettierung von Michael Stamm und Jürgen Reents als „einstigen“ Ökosozialisten war wohl wieder einmal der Wunsch der Urheber der Meldung, statt die politische Realität; Kurt Edler gehört nicht zu den Einladern des „Linken Forums“, dafür aber - neben den im Artikel zu Recht genannten - Leuten wie Ludger Vollmer, Marie-Therese Knäpper, Frieder O. Wolf und viele andere mehr.
Harald Wolf, AL West-Berlin
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