piwik no script img

„Die Feuerprobe“

■ Leiser-Film über Novemberpogrom im Dritten

„Auf meinem Weg zur jüdischen Schule in Berlin sah ich an jenem Novembermorgen brennende Synagogen mit Menschen davor, die betroffen schwiegen oder höhnische Bemerkungen machten oder auch plünderten.“ Der Dokumentar-Filmregisseur Erwin Leiser („Mein Kampf“) ist immer noch tief betroffen von seinen Erinnerungen, die sich ihm unauslöschlich eingeprägt haben. Von Juden, die die damaligen Pogrome überlebt haben, weiß er, daß vielfach traumatische Bilder zurückblieben. „Ich kenne jemand, der heute noch instinktiv zusammenzuckt, wenn in seiner Nähe Geschirr zerbrochen wird und er so an das Klirren der Tausenden von Fensterscheiben von damals erinnert wird.“

Leiser hat einen Dokumentarfilm mit dem Titel „Die Feuerprobe“ über den Novemberpogrom 1938 in Deutschland gedreht. Er wird am Montag zum Auftakt der Veranstaltungsreihe „Vor aller Augen“ in der Berliner Akademie der Künste uraufgeführt und am Dienstag, dem 8. November, im Dritten Fernsehprogramm der Nordkette (20.15 Uhr) ausgestrahlt.

Der vom Sender Freies Berlin (SFB) zusammen mit dem Schweizer Fernsehen, der Berliner Filmförderung und der Bundeszentrale für politische Bildung produzierte Film soll auch den Schulen zur Verfügung gestellt und später möglicherweise in Kinos gezeigt werden. Auch das Ausland hat Interesse angemeldet. Am 12. November ist eine Aufführung im Deutschen Filmmuseum in Frankfurt geplant.

Der Film zeigt die Eskalation des antijüdischen Terrors vom Boykott am 1. April 1933 über die Nürnberger Gesetze von 1935 bis zur „Reichskristallnacht“. Den Hauptteil bilden die Aussagen zahlreicher Zeitzeugen. Zu ihnen gehören der Leiter des Jüdischen Dokumentationszentrums in Wien, Simon Wiesenthal, und der Fernsehjournalist Georg Stefan Troller, der von seinen Erlebnissen in Wien berichtet. Troller ging wenige Tage später illegal über die tschechische Grenze. „Ich habe das Gefühl, daß diese Emigration bis heute nicht beendet ist.“ Andere Zeugen sind Anwohner der Berliner Fasanenstraße, in der die Synagoge der Jüdischen Gemeinde brannte. „Wir saßen beim Abendbrot und sahen durch das Fenster die Synagoge in Flammen aufgehen.“

Für jeden Juden, so betont Leiser, bedeutete die Novembernacht, „daß er aus seiner Existenz endgültig herausgeschleudert wurde“. Die Nacht sei aber auch „eine Feuerprobe für das deutsche Volk“ gewesen, „das nichts dagegen tat“.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen