: Politik und Termine
■ Was dahinter steckt, wenn Momper erst Honecker und dann Kohl trifft?
Zumindest in einem irrt Senatssprecher Kolhoff: Termine waren noch nie nur Termine. Zumal wenn es sich um die eines Regierenden Bürgermeisters handelt. Und warum sich hinter dem Kalender verstecken, wenn Rot-Grün mal politisch was wirklich Neues zu bieten hat. Zuerst bereiste Walter Momper die drei westlichen Hauptstädte der Schutzmächte, jetzt trifft er den Sowjet-Chef Gorbatschow (am 12. Juni in Bonn) und gleich anschließend den Nachbarn im Osten, Erich Honecker (immer noch unbestätigt, am 19. Juni). Der Kanzler Kohl im fernen Bonn kann warten. Er ist erst am 29. Juni dran. Und das soll alles Zufall sein, will uns der Senatssprecher weismachen? Eine solche Wertschätzung und Bevorzugung des Staatsratsvorsitzenden verdient es, öffenlich gewürdigt zu werden. Und es ist nötig - denn die Kritiker sind schnell am Werke. Und wenn auch Senatssprecher Kolhoff die argwöhnischen Fragen nach möglichen „Statusproblemen“ wegwischt, so ist die Rangfolge der Besuchsreisen des Regierenden doch zumindest unkonventionell, und unkonventionelle Maßnahmen still und heimlich zu ergreifen, hat schon immer Mißtrauen erzeugt. So bleibt am Ende doch ein Rest Zweifel - hat da etwa doch keiner was gedacht? Die Konsequenz wäre kaum auszudenken: Die Stadt wird von einem Terminkalender regiert!
bf
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