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WEU erörtert Truppeneinsatz am Golf

■ USA wollen Zahl ihrer Kriegsschiffe verdoppeln/ Französischer Außenminister erwägt Bagdadreise

Paris/Washington/Manamah (adn) — Die Folgen der Golfkrise für die europäischen Staaten sind das Thema der Parlamentarischen Versammlung der Westeuropäischen Union (WEU), die gestern in Paris zu einer viertägigen Sitzung zusammentrat. Zur Debatte steht die Schaffung einer im Krisenfall einsatzbereiten WEU-Flotte und einer Schnellen Eingreiftruppe. Der WEU, dem einzigen sicherheitspolitischen europäischen Forum, gehören die EG- Staaten mit Ausnahme von Griechenland, Dänemark und Irland an.

Nach der Zusage zum politischen Dialog mit Washington hat die irakische Führung am Sonntag mit einem Test sowjetischer Boden-Bodenraketen vom Typ Scud mit einer Reichweite von 570 bis 640 Kilometern militärische Stärke zur Schau gestellt. Es war der erste irakische Raketentest seit Ausbruch der Golfkrise am 2. August. Nach Berichten über die irakischen Raketentests wurde die internationale Streitmacht in Saudi- Arabien in Alarmbereitschaft versetzt. Die USA wollen die Zahl ihrer Kriegsschiffe am Persischen Golf in den kommenden sechs Wochen auf etwa 100 Schiffe erhöhen.

Nach der Gesprächsofferte Washingtons an Bagdad gab es zu Wochenbeginn hinsichtlich der Golfkrise wieder vorsichtigen Optimismus. Frankreich ist offenbar bereit, dem „Irak Konzessionen zu machen. Außenminister Dumas erklärte am Sonntag abend, er erwäge eine Bagdadreise. Man könne über Forderungen des Irak sprechen, sobald die irakischen Truppen aus Kuwait abgezogen und alle Geiseln frei sind. „Alles ist diskutabel“, sagte er. Um den 18. Dezember herum wollten sich die fünf Großmächte in einer europäischen Stadt treffen, um eine Bilanz ihrer individuellen Bemühungen um ein Nachgeben Bagdads zu ziehen. Auch eine neue kollektive Initiative sei möglich.

Saudi-Arabien hat das Angebot von Bush als Schritt zum Frieden begrüßt. Kurz zuvor hatte Saudi-Arabien zu verstehen gegeben, nach Regelung der Golfkrise wolle es keine ausländischen Truppen mehr auf seinem Territorium sehen. Der jemenitische Präsident Saleh hat am Sonntag Bushs Dialogbereitschaft gewürdigt. Der Jemen, im Dezember Vorsitzender des Sicherheitsrates, nimmt eine proirakische Haltung ein. Großbritannien hat Heeresreservisten einberufen, von denen einige in die Golfregion entsandt werden könnten. Das britische Kontingent soll bis Anfang 1991 auf 30.000 Mann erhöht werden.

Der Generalstabschef der türkischen Streitkräfte, General Torumtay, ist gestern, offenbar aus Protest gegen die türkische Unterstützung der US-amerikanischen Position im Golfkonflikt, zurückgetreten. Türkische Truppen sollen im Ernstfall die irakische Nordgrenze abriegeln und zur Unterstützung der internationalen Truppen nach Saudi-Arabien verlegt werden.

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