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Unterm Strich

Im Juni noch hat das Rotbuch-Kollektiv das 20jährige Bestehen des Verlags gefeiert, der sich einst als Abspaltung des Wagenbach-Verlags gebildet hatte. Jetzt ist es amtlich, daß die seligen Zeiten ökonomisch eigenständiger linker Gegenöffentlichkeit vorbei sind: das Unternehmen wird an den Hamburger Rechtsanwalt Kurt Groenewold verkauft, der bereits die Frankfurter „Europäische Verlags-Anstalt“ saniert hat. (Groenewold dürfte in linken Kreisen noch als RAF-Verteidiger der ersten Stunde bekannt sein.) Nach den bedrohlichen Bilanzen der letzten zwei Jahre, die nur durch hohe Verpflichtungen der sechs persönlich haftenden Gesellschafter bei den Banken aufgefangen werden konnten, war auch für die kommende Saison keine Besserung zu erwarten. Man habe sich daher entschlossen, sagt Lektor Martin Bauer, mit Groenewold in Verhandlung zu treten, bevor noch eine weitere Verschlechterung der Lage die Verhandlungsposition des Verlages beeinträchtigen konnte. Das Rotbuch-Label wird nun vorerst nicht aufgelöst und ausgeschlachtet; drei von sechs Mitarbeitern werden übernommen; das Rotbuch-Programm wird fortgeführt. Groenewolds bisheriges Verhalten gegenüber seinem ersten Sanierungsfall hat keinen Grund zum Mißtrauen gegenüber seinen Zusicherungen geliefert. Ein Modell zur schonenden Transformation gegenöffentlicher Institutionen? Man wird sehen.

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