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Unten das Fest, oben stirbt Oma

■ Premiere von Ernie Reinhardts Soloprogramm „Lands End“

„Was für eine Bruchbude“, kotzt Robert raus, in Kleid und Pumps auf die Bühne stolpernd. Gemeint ist Lands End, die urbane Schwulenkneipe, deren Wirtin Hermine er soeben zu Grabe getragen hat. Hermine hieß eigentlich Hermann und ist an AIDS gestorben. So beginnt Ernie Reinhardts neues Solo-Stück.

Statt als glamouröse Lilo Wanders präsentiert sich Ernie Reinhardt in seinem neuen Stück Lands End, das am Mittwoch im Schmidt Hamburg-Premiere hatte, von einer bedächtigeren Seite. Ernie, der beide Hauptrollen spielt, schrieb das Stück mit seinem Lebensgefährten Jörg Bruhn, musikalisch begleitet wird er – sehr gefühlvoll pointiert – von Dirk Bleese am Klavier.

Im ersten Teil des Stückes erzählt Robert vom heimatlichen Landgasthaus (“Unten das Fest, oben stirbt Oma.“), seiner Kindheit, Jugend, dem ersten „Fick“ (“...geil war's auch“), bis zu seiner Flucht in die Großstadt, wo er in Hermines Lands End strandet.

Der zweite Abschnitt zeigt Ernie als Verwandlungskünstler, aus Robert wird Hermine und umgekehrt. Seiltänzerisch reflektiert er die AIDS-Problematik in der Schwulenszene, wobei die Enden seines Stabes ,Hommage an die Homosexualität' und ,Pathetisches Insider-Outing' heißen. Gekonnt pendelt er dazwischen aus, nur selten verläßt er die Waagerechte, um unnötigerweise den Zeigefinger zu erheben.

Die gesungenen Passagen sind eher melancholisch-beschaulich, während die erzählten Rückblicke ob ihrer schonungslosen Offenheit manchen Schmunzler hervorrufen. Dies liegt indes mehr an der Wahl der Worte, denn Sätze wie „Leb' dein Leben, bald geht auch dein Arschloch zu“ sind inhaltlich nicht zum Brüllen geeignet.

Ein glaubhaft-spannendes Stück, zwar mit rührseligen Anleihen, dafür ohne Blatt vor dem Mund und mit viel Liebe inszeniert.

Andreas Dey

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