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■ Den 8. Mai ausfallen lassen! – Ein Zwischenruf
[...] Neurechter Revanchismus hin, political correctness her: Die aufgeregte Debatte um die rechtslastige Initiative zum 8. Mai ist so ärgerlich wie überflüssig – nicht nur, weil sie den Initiatoren des Appells die gewünschte Publicity beschert hat. Wie schon bei ähnlichen publizistisch-politischen Diskursen zuvor läßt sich hier wieder einmal ein gerüttelt Maß an Zynismus feststellen. Indem die eine Seite den Genozid des jüdischen Volkes durch die Nazis mit Vertreibungsterror und stalinistischen Verbrechen aufrechnet, das andere Lager den Holocaust zum alleinigen Maßstab der Bewertung jüngerer deutscher Geschichte verabsolutiert, werden Millionen ermordeter Menschen hüben und drüben posthum für ideologische Schaukämpfe instrumentalisiert. Statt der Opfer still zu gedenken, werden die Leichenberge von Exponenten linker wie rechter Couleur wieder angehäuft und für ein fragwürdiges Hegemoniebestreben in die Waagschale geworfen.
Unterm Strich läßt der Streit, wie man denn mit dem 8. Mai 1945 am besten umzugehen habe, erneut die Erkenntnis reifen, daß es hierzulande bis dato unmöglich scheint, über deutsche Geschichte zwischen 1933-45 in objektiveren, dem historischen Wissen angemesseneren Kategorien und jenseits weltanschaulicher Verwerfungen zu diskutieren. Ja, noch schlimmer: Inzwischen üben sich bereits verbittert-greise Kriegsveteranen im Martyrium qua Selbstverbrennung. Der Gedenktag beginnt über Leichen zu gehen! Spätestens hier müssen wir uns ernsthaft überlegen, ob wir den 8. Mai 1995 in Deutschland nicht besser denselbigen sein und das Feiern den alliierten Siegermächten überlassen sollten; nicht zuletzt waren ja sie es (und nicht etwa das hiesige Volk), die dem Hitler-Wahn ein Ende bereiteten ... Thomas Riebesehl, Student der
Sozialwissenschaften,
Uni Göttingen
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