: Betr.: Egon Erwin Kisch zu Tina Modottis Tod
Zwar war es der Himmel Mexikos, der Tina Modottis Fotografien Licht verlieh, doch kann man es nicht diesem Licht zuschreiben, daß ihrer Kamera vollkommene Gemälde entsprangen. Das Geheimnis ihrer Werke lag darin, daß sie, mit dem Blick der Güte, die Welt sichtbarer machte.
Dieser Blick wollte, daß die Augen eines armen Kindes schöner waren als die künstlich zum Glänzen gebrachten Augen einer Ballkönigin; daß die Landschaften der Arbeit, die Produkte der Arbeit und die Produktionsmittel, die Zuckerrohrplantagen, die mexikanische Sichel, die Tonkrüge, die Hände, die eine Schaufel umklammern, die Gitarren und die Sombreros, der Maiskolben und das Gerüst an einem Haus, anmutiger waren als die grünen Hänge der Schweiz.
Egon Erwin Kisch zu Modottis Tod
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen