Gewinner des Neubau-Wettbewerbes

Ein tolles Haus für die taz

Das Züricher Architekturbüro E2A von Piet Eckert und Wim Eckert wird das neue taz Haus in Berlin bauen.

Bei der Tagung der Jury, v.r.: Prof. Matthias Sauerbruch (Architekt), Regula Lüscher (Senatsbaudirektorin), Kalle Ruch Bild: Wolfgang Borrs

Das Züricher Architekturbüro E2A von Piet Eckert und Wim Eckert wird das neue taz Haus in Berlin bauen. Das zuständige Preisgericht unter der Leitung der Münchner Architekturprofessorin Ulrike Lauber kürte den Entwurf von E2A zum Wettbewerbssieger, der nun an der Friedrichstr. 20-22, 10969 Berlin realisiert werden wird.

„Der Gewinner ist unter sehr guten Arbeiten der beste: Er bietet nicht nur hervorragende Arbeitswelten für die Mitarbeiter, sondern ist mit seiner Offenheit ein Angebot an den Stadtraum”, sagte Lauber. Das neue taz Haus werde „kein normales Bürogebäude, sondern ein lebendiger Organismus mitten in Berlin”. Der erste Preis ist mit 35.000 Euro dotiert.

Baubeginn im nächsten Jahr

„Das ist ein tolles Haus für die taz, das wir jetzt auch zügig realisieren”, sagte taz-Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch am Freitag in Berlin. Der Bau soll im kommenden Jahr beginnen.

taz-Chefredakteurin Ines Pohl lobte die frühe Einbindung der Redaktion in den Entwicklungsprozess: „Die Redaktion freut sich auf das neue Haus.” Und: „Wir versprechen uns einen neuen Ort, an dem der taz-Geist den Raum hat, um flexibel zu arbeiten.”

19,937 Millionen Euro kostet der Neubau.

3 Millionen Euro sind als Genossenschaftskapital vorhanden.

3,359 Millionen Euro Fördermittel kommen hinzu.

7,5 Millionen Euro werden als Bankdarlehen benötigt.

6,08 Millionen Euro sind zusätzlich als Genossenschaftskapital durch Neuzeichnungen und Aufstockungen nötig.

Die Schweizer Brüder Eckert haben neben vielen anderen Projekten auch das Haus der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin entworfen. Ihr taz-Entwurf habe auch den Vorteil, hieß es aus der Jury, dass man ihn umgehend umsetzen könne. Insgesamt sei der Wettbewerb auf einem sehr hohen Niveau gewesen. In einer ganztägigen Sitzung hat sich der Sieger offenbar erst in der letzten halben Stunde durchgesetzt.

Das Preisgericht vergab zudem zwei zweite Plätze (je 17.500 Euro) - an das Dubliner Büro heneghan peng architects sowie die Berliner Architekten Mars/Creutzfeldt. Anerkennungen (je 4.500 Euro) gingen an vier weitere Büros: gpy arquitectos (Teneriffa), Glass Kramer Löbbert BDA (Berlin), Schulz & Schulz (Leipzig) sowie Behnisch Architekten (Stuttgart). Alle gewürdigten Arbeiten werden im September in Berlin ausgestellt.

Gewinner aus 310 Bewerbungen ausgewählt

Mit der Architektenkammer Berlin hatte die taz einen nicht offenen Wettbewerb mit einem vorgeschalteten Bewerbungsverfahren vereinbart, der von der Berliner Architektin Ulrike Lickert betreut wurde. Aus den 310 Bewerbungen waren Mitte April 25 Architekturbüros ausgewählt worden.

In dem neuen taz Haus wollen Redaktion und Verlag von 2017 an arbeiten. Der Bauplatz liegt im Stadtteil Friedrichshain-Kreuzberg, einen Steinwurf vom derzeitigen taz-Standort in der Rudi-Dutschke-Straße am Checkpoint Charlie entfernt. Bei dem Bauplatz handelt es sich um eine Brache, auf der das neue Kreativquartier Südliche Friedrichstadt entsteht.

Grundlage für Journalismus der Zukunft

Das neue taz Haus soll gut 19 Millionen Euro kosten und weitgehend von der taz Genossenschaft finanziert werden (siehe Kasten). Als Kapitalanlage und Vermögensbildung soll es die taz Genossenschaft und den unabhängigen Journalismus der Zukunft absichern. Die ständig wachsende taz Genossenschaft mit derzeit 14.200 Mitgliedern ist die Eigenkapitalbasis, auf der die taz Zukunftsprojekte angeht und unabhängig von Konjunkturen und Werbekunden arbeiten kann. „Unsere Eigenkapitalbasis müssen wir nun schnell stärken, um den nötigen Atem für die lange Phase der digitalen Transformation zu haben”, sagte taz-Geschäftsführer Ruch.

Die Stärkung der taz Genossenschaft und damit die Grundlage für unabhängigen Journalismus der Zukunft ist das oberste Ziel der taz. Es geht aber nicht nur um die taz. In diesem Haus mit seinen erweiterten Möglichkeiten werden neue Orte des Politischen, der Kultur und des Miteinanders entstehen – als Teil eines neuen Kunst- und Kreativquartiers direkt neben dem Jüdischen Museum.

Erstmals wurden die Grundstücke nicht nach Höchstgebot, sondern nach Qualität des Konzepts vergeben. Das ist eine neue Form der Stadtentwicklung, die die Anwohner in dem strukturschwachen Kiez nicht verdrängt, sondern am Aufschwung beteiligen will.

Das alles drückt sich in der Architektur des taz Hauses aus, die Offenheit ausstrahlt und ein Angebot der Partizipation sein will, um an einem nicht-etablierten Ort Neues zu entwickeln.

Peter Unfried