Störzeile

Entfremdung unmöglich

■ Kleine Sozialwohnungen steigern letztlich nur das kreative Potential

Der gemeine Sozialhilfeempfänger ist faul, arbeitsunwillig und lebt auf Staatskosten in Luxuspalästen. Dieses Schmarotzertum muß ein Ende haben. Immerhin ist die Stadt finanziell am Ende. Sie hat Mühe, ihr Polizeiorchester und die Dienstwagen ihrer Senatoren zu bezahlen. In solch schwierigen Zeiten darf Sparen keine Tabus kennen.

Der Rechnungshof, der mit hoher sozialpolitischer Verantwortung Zahlenkolonnen auf ihre Reduzierbarkeit hin überprüft, hat das erkannt: Die Behörde muß dort sparen, wo es am effektivsten ist. Eine vierköpfige Familie, die sich bislang auf 85 Quadratmetern tummelte, muß künftig eben mit 65 auskommen.

Der Vorteil für die Familie: Sie sieht sich jetzt öfter. So spart man Folgekosten für Therapien entfremdeter Verwandter. Und wem es doch zu eng wird, der muß bloß seine Kreativität spielen lassen. Schon ein Spiegel kann Wohnungen vergrößern. Hier ist Einfallsreichtum gefragt. Wer Stütze bezieht, sitzt sowieso den ganzen Tag zu Hause rum. Da wird man doch verlangen können, daß er seinen Altbau eigenhändig modernisiert. Ein Neubau jedenfalls wäre unangemessen, allein schon aus beschäftigungspolitischen Gründen.

Und was die gesellschaftliche Reintegration angeht: Ein Sozialhilfeempfänger lebt bekanntlich bevorzugt unter seinesgleichen in Szenevierteln wie Steilshoop. Vielleicht könnte er, bevor's gar zu langweilig wird, mal in unseren 150-Quadratmeter-Bruchbuden vorbeischauen und kurz feucht durchwischen. Wir Steuerzahler kommen da ja abends nicht mehr zu.

Heike Haarhoff