: Grundschulen sollen bald mehr leisten
■ Schulsenatorin Stahmer legt Konzept „Grundschulreform 2000“ vor. Unterricht kann stärker nach Neigung und Leistung gefächert werden
Der Unterricht in den Grundschulklassen fünf und sechs soll künftig „nach Neigung und Leistung“ gefächert werden. Damit reagiert Schulsenatorin Ingrid Stahmer (SPD) auf die zunehmende Kritik vor allem aus CDU- Kreisen an der angeblich leistungshemmenden sechsklassigen Grundschule. Im Vorfeld des Regierungsumzugs waren die Rufe nach einem mehrgliedrigen Schulsystem bereits ab Klasse fünf lauter geworden. Im Grundsatz will Stahmer jedoch an der sechsklassigen Grundschule festhalten.
Die Schulen sollen künftig aber Förderstunden in Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen auch parallel zum Regelunterricht durchführen. Zusätzliche Angebote sollen den besonderen Interessen der SchülerInnen entgegenkommen. Vor allem den naturwissenschaftlichen Bereich will die Senatorin nach dem Wegfall des Faches Technik wieder stärken.
Die Profilbildung in den Klassen fünf und sechs ist Teil des Konzepts „Grundschulreform 2000“, das Stahmer gestern verbreiten ließ. Es soll in Teilen bereits vom kommenden Schuljahr an umgesetzt werden. Vor allem die „nachhaltige Lernbereitschaft“ der SchülerInnen und den „öffentlichen Erziehungsauftrag“ der Schulen will Stahmer stärken.
Zu den Neuerungen zählt auch die Einführung der „verläßlichen Halbtagsgrundschule“ an Modellschulen im Westteil der Stadt. Die bestehenden Ganztagsschulen in den östlichen Bezirken bleiben erhalten. Die Modellschulen sollen entweder von 7.00 bis 13.00 Uhr oder von 7.40 bis 14.00 Uhr geöffnet sein. Ob die SchülerInnen in der zusätzlichen Zeit nur von ErzieherInnen betreut oder auch von LehrerInnen unterrichtet werden, ist noch unklar.
Um dem unterschiedlichen Vorwissen der Kinder gerecht zu werden, will Stahmer die vorzeitige Einschulung erleichtern. Zu diesem Zweck will sie vom Schuljahr 2001/2002 an den letzten Anmeldetermin vom 30. Juni auf den 30. September verlegen. Außerdem soll die Vorklasse mit den Klassen eins und zwei zu einer einheitlichen „Schulanfangsphase“ verschmelzen, die je nach Leistungsstand in einer unterschiedlich langen Zeit zu durchlaufen ist. Einzelheiten zur praktischen Umsetzung dieses Modells enthält das Konzept aber noch nicht.
Weitere Bestandteile der „Grundschulreform 2000“ sind neben dem bereits angekündigten Fremdsprachenunterricht ab Klasse drei auch eine zusätzliche „Förderung benachteiligter Kinder in sozialen Brennpunkten“ und der verstärkte Einsatz von Computern in der Schule. Der Senat will in der kommenden Woche über die Vorlage beraten. Ralph Bollmann
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