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Der bekannte Marseiller Architekturbildner Max Charvolen schlägt virtuelle Durchgänge und Treppen in die Galerie der HfK

Alexander der Große verzwirbelte vor ... na ein paar tausend Jahre dürfte das her sein ... einen Knoten und forderte zum Aufdröseln auf. Da kam Gordios des Wegs, tüftelte nicht lang herum, sondern hieb den Knoten mitten durch: ein ehernes Symbol für alle Komplikations-feinde und Lö-sungsterroristen. Der ziemlich renommierte Franzose Max Charvolen treibt es mit der Dreidimensionalität nicht viel anders als Gordios mit seinem Knoten. Wie lange bisselte die Renaissance an dem Problem der Zentralperspektive herum. Und mit welch simpler Brachial-Methode plättete hingegen Charvolen die Architektur zum Wandbild – wie eine Bügelfachkraft. Nehmen wir zum Beispiel einen Treppenaufgang. Den kleistert der Prof der Marseiller Kunsthochschule mit mehreren Lagen topflappengroßer Leinwandfitzelchen zu. Dann reißt er der Architektur ihr Flickenkleid wieder vom Leib und tackert es an die Wand. So schlängert sich eine Treppe meterweise irgendwelche Mauern hoch – natürlich ist sie unbegehbar geworden. Oder eine Tür breitet sich fangarmartig aus – natürlich ist sie undurchschreitbar. Mit den Fingern angmiert in kruder Mischung aus Mondriangrundfarbigkeit und Schlammigem, sieht das ganze informelartig aus: wie abstrakte shaped canvas.

Diese Ausstellung ist eine schöne. Sie ist aber auch der Beginn einer Öffnung der Bremer HfK. Der gestern 60 Jahre alt gewordene HfK-Chef Jürgen Waller möch-te nämlich die Kooperation mit Kunstakademien außerhalb Deutschlands forcieren. Und er will die Bremer StudentInnen zum Reisen, Umgucken und Teilzeitauswandern zwecks Erweiterung des Horizonts animieren. Die so erzielten neuen Bewußtseinsräume können sie dann an Galeriewänden entfalten. Vermutlich dürfte die Charvoletsche Klebe-und-Reiß-Methode hierfür aber ein wenig zu grob sein. bk/F.:L.Marina

Bis 4. Juli, Dechanatsstr. 13.

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