: Weiß verführt
Recyclingpapier ist immer weniger gefragt, weil das Image nicht stimmt. Das will eine Initiative ändern
BERLIN taz ■ Recyclingpapier ist weniger „in“ als noch vor ein paar Jahren. Obwohl Recyclingpapier beim Einkauf nicht teurer ist, sinkt der Anteil auf dem deutschen Papiermarkt jährlich um etwa ein Prozent. 1999 betrug er noch 16 Prozent. Der Grund dafür ist allein das schlechte Image.
Das soll sich nun ändern. Mit Informationsbroschüren und einer Website will die Initiative Pro Recyclingpapier die Vorurteile beseitigen. In ihr haben sich Unternehmen zusammengeschlossen wie die Lufthansa, der Otto Versand, Karstadt oder Neckermann, die ihren Schriftverkehr ganz oder zum Teil auf Recyclingpapier abwickeln. Erstmals in diesem Jahr stiftet die Initiative den „Zukunftspreis Büropapier“ in Höhe von 20.000 Euro. Damit sollen Betriebe ausgezeichnet werden, die die Umstellung von Neu- auf Recyclingpapier geschafft haben oder planen.
Trotz Internet und E-Mail: Das papierlose Büro ist eine Illusion. Beschriebenes und bedrucktes Papier ist auch nach dem Boom der neuen Medien unverzichtbar, weil Menschen Informationen schwarz auf weiß in den Händen halten wollen. Nach Angaben des Bundesumweltamtes stieg der Verbrauch von Zeitungs-, Zeitschriften-, Schreib- und Kopierpapier in Deutschland in den 90ern kräftig an. Benötigten Firmen und Privatkunden 1990 noch 7,4 Millionen Tonnen Papier, so waren es 1999 bereits 8,7 Millionen Tonnen.
Papier, das für Broschüren und Briefe verwendet wird, gilt als Visitenkarte und Imageträger eines Unternehmens. Dabei gilt: je weißer, desto besser. Gerade das hemmt die Vermarktung von Recyclingpapier, das immer nur einen „Weißegrad von sechzig bis achtzig Prozent erreicht“, sagt Franz Winterer vom Recyclingpapierhersteller Steinbeis-Temming. „Die Weiße eines Papiers ist eine pure Verführung, weil es Ästhetik, Schönheit und Qualität suggeriert.“
Dabei bräuchte das Recyclingpapier den Vergleich mit Neupapier nicht zu scheuen. Ohne jede Einschränkung ist Recyclingpapier in Druckern und Kopierern verwendbar, wie die Uni Lüneburg in einer Studie nachwies. Recyclingpapier ist außerdem genauso radierfest und zersetzt sich auch nicht schneller als Neupapier. Auch das Bundesumweltamt empfiehlt in einer Studie ohne Einschränkung den Gebrauch von Recyclingpapier, weil die Herstellung „wesentlich umweltverträglicher“ ist. Nur die Hälfte der Energie wie bei der Produktion von Neupapier sei nötig. MARIUS ZIPPE
40.000 mal Danke!
40.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Was uns besonders macht? Sie, unsere Leser*innen. Sie wissen: Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Wir suchen auch weiterhin Unterstützung: suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus – schon mit 5 Euro im Monat! Jetzt unterstützen