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Hamburgs KlassenkampfLanges Leerstellen

Nein, so geht es nicht. Der beschämende Auftritt des Schulsenators gestern in der Bürgerschaft ist mit dem Begriff stillos noch sehr höflich umschrieben. Es ist eine abgrundtiefe Peinlichkeit, die auf ihn selbst zurückfällt. Rudolf Lange hat sich, zumal als oberster Dienstvorgesetzter der Hamburger PädagogInnen, disqualifiziert.

Kommentarvon SVEN-MICHAEL VEIT

Ein Senator, der führende Beamte seiner Behörde in deren Abwesenheit öffentlich diskreditiert, hat die Grundbegriffe von moderner Führung, Management und Motivation nicht verstanden. Im konkreten Fall mag das daran liegen, dass der Admiral a. D. feststellen musste, dass eine Behörde anders funktioniert als die Marine. Seine eigene Unfähigkeit zur Problemlösung auch noch im Parlament offen zur Schau zu stellen, ist ein Armutszeugnis in eigener Sache. Deutlicher kann niemand - zwar unfreiwillig, aber de facto - sein politisches Versagen eingestehen.

Lange war es, der unvorbereitet in die Sparklausur des Senats in Jesteburg ging und vom Finanzsenator unter den Tisch verhandelt wurde; Lange war es, der von seiner Partei gezwungen werden musste, kosmetische Korrekturen von seinen Koalitionspartnern zu erbitten; Lange war es, der seine Behörde mit ständig neuen Beschlüssen und Daten in Atem hielt.

Diesen Mangel an politischem Durchblick und Instinkt, an klaren Kursbestimmungen und verlässlichen Vorgaben hat allein der zu verantworten, der die politische Führung beansprucht und innehat. Ein Schulsenator, der diesem Anspruch nicht gerecht wird, ist eine Leerstelle.

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