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wortwechselKämpfen, verhandeln oder verweigern?

Manch einst überzeugter Pazifist würde sich heute freiwillig zum Dienst an der Waffe melden. Andere setzen lieber weiterhin auf Diplomatie

Jesus hilft

„Vom Nein zum Ja“,

wochentaz vom 22.–28.8. 26

Lieber Stephan Anpalagan, ich erlaube mir eine Frage: Kennen Sie die Forschung zur Friedenslogik und zivilen Sicherheitspolitik? Mein Ja zur Kriegsdienstverweigerung nehme ich nicht zurück, nicht allein aus friedenslogischen Gründen. „Lasset das Schwert stecken“, ein Zitat des Jesus von Nazareth hilft mir zusätzlich, meine Überzeugung nicht zu ändern.

Tobias Steeb, Altensteig

Sanktionen statt Aufrüstung

„Vom Nein zum Ja“,

wochentaz vom 22.–28.8. 26

Gerade sitze ich mit meinem Sohn zusammen, um seine Kriegsdienstverweigerung zu schreiben. Der Artikel von Stephan Anpalagan liegt neben mir und ich bedauere seine Ausführungen. Im Hintergrund läuft Reinhard Mey „Nein, meine Söhne geb ich nicht.“ Er spricht selbst von dem Dilemma, das auch Kriegsdienstverweigerern immer wieder vorgeworfen wird. Was ist, wenn wirklich eine Gefahr vor dir steht? Mit Gewalt verteidigen! Dieses Argument soll dann die Haltung entkräften, dass Krieg zur Verteidigung nicht doch ganz normal, quasi unabdingbar wäre.

So ganz einfach ist das natürlich nicht. Das Dilemma der friedlichen Verteidigung gegen einen Aggressor lässt sich heute makropolitisch mit anderen (diplomatischen) Mitteln regeln. Aufrüstung zur Abschreckung führte dem entgegen natürlich nie zu mehr Sicherheit. Einstein hat das mal wie folgt ausgedrückt: „Was für eine Welt könnten wir bauen, wenn wir die Kräfte, die ein Krieg entfesselt, für den Aufbau einsetzten.“

Anpalagan fokussiert statt diesen Ideen eine militärische Verteidigung und dient dabei dem Narrativ, dass wir keine andere Wahl hätten. Dabei haben wir sie (noch) und schmälern das noch, wenn wir uns einreden es gäbe keine andere Lösung.

Vielleicht sollten wir weniger über Krieg reden und wieder mehr über Bücher, die Ideen zum Frieden liefern. Das kann man genauso bei vielen weiteren Themen sehen. Wir reden über digitale Medien, KI, Klimawandel und Krieg nicht mehr mit Ablehnung, sondern mit Akzeptanz.

Wichtig ist noch ein zweiter Aspekt, und den vergisst Anpalagan vielleicht sogar unbedacht. Narrative wurden durch Lobbyismus in vielen Bereichen (Tabakindustrie, Alkoholindustrie, Ölindustrie) schon geschickt so gesellschaftlich verändert, dass eigene Interessen der Lobbygruppen geschützt wurden.

Haben wir es bei den aktuellen militärischen und gesellschaftlichen Entwicklungen nicht auch mit einer profitierenden Rüstungslobby zu tun und einer unterstützenden US-Administration, die sich internationaler Zusammenarbeit entzieht und ihre Wählerschaft über autoritäre Werte erreicht?

Wären eine klarere Sanktionspolitik im Außen und Unabhängigkeit von Ressourcen im Innen nicht ebenso wirksam wie Aufrüstung? Und wäre es jetzt nicht an der Zeit, statt für „Heimat und Mitmenschen“ aufzustehen, wie Anpalagan schreibt, sich für die nationalen und internationalen Prinzipien und Werte, die uns Frieden ermöglichen, einzusetzen?

Selbst Soldaten wollen nicht kämpfen, so schreibt er selbst. Müssen wir unbedingt mal drüber reden! Meine Kinder geb ich jedenfalls nicht!

Sven Sommer, Oststeinbek

Zivile Maßnahmen

„Vom Nein zum Ja“,

wochentaz vom 22.–28. 8. 26

Texte, die in persönlich-bekenntnishafter Weise die Abkehr von vormals friedenspolitischen Gewissheiten (von „Keine Waffen in Kriegsgebiete“ bis – wie in diesem Fall – „Kriegsdienstverweigerung“) formulieren, haben Konjunktur. Quasi als „Damaskus-Erlebnis“ steht hier der als Zeitenwende erlebte Angriff Russlands auf die Ukraine. Das ist nachvollziehbar und dieser sollte gewiss Anlass sein, über die Möglichkeiten und Bedingungen von Friedenssicherung im 21. Jahrhundert neu nachzudenken.

Jedoch ersetzt das Bekenntnis zur Wehrhaftigkeit nicht das Nachdenken über zivile Maßnahmen der Friedensschaffung. Und schon gar nicht hilft die schlichte Übernahme von Argumenten, die so schon mal vor 30 Jahren hätten formuliert werden können („Frieden kann nur mit Panzern und Soldaten gesichert werden“). Auch apodiktisch formulierte Kausalketten wie „Weil der Krieg zu uns kommen kann“ sind nicht hilfreich.

Bei dermaßen schlichter Betrachtung, der wie immer eine maximale Diabolisierung des „Feindes“ und seiner Absichten zugrunde liegt, muss man sich um die Erkenntnisse von Konfliktforschung oder Konfliktschlichtung allerdings nicht mehr kümmern. Wir waren schon mal weiter!

Michael Kannappel, Hannover

Geschickte Verhandlungen

„Vom Nein zum Ja“,

wochentaz vom 22.–28. 8. 26

Stephan Anpalangan hat recht. Auch ich würde zur Waffe greifen, um die Kinder meiner Nachbarn zu schützen.

Und dennoch: Es liegen seit Jahrzehnten Konzepte gewaltfreier sozialer Verteidigung und Friedenspolitik in den Schubladen vieler Friedensorganisationen. Warum lernen und lehren wir nicht endlich, wie politischer Frieden durch kluge demokratische Konfliktlösungsprozesse erreicht werden kann? Und wie auch die Trumps und Putins dieser Welt frühzeitig darin eingebunden und davon überzeugt werden können?

Wann werden Politiker endlich begreifen, dass der Preis für einen faulen Frieden durch Krieg mit Waffen einfach zu hoch ist und nur zu weiteren Kriegen führt?

Das ist eine falsche Grundüberzeugung, die zu falscher, weil menschenverachtender Politik führt. Verantwortungsvolle Politik bedeutet, Konflikte durch kluge, strategisch geschickte Verhandlungen und nicht mit Waffen und Krieg zu lösen. Weltweit. Das sollte das Ziel sein.

Inge Wessels, Wilhelmshaven

Noch ist nicht gewählt

„Wahl in Sachsen-Anhalt“,

wochentaz vom 22.–28. 8. 26

Seit Wochen, nein, seit Monaten höre und lese ich in den Printmedien, im Radio und TV über die Wahlen in Sachsen-Anhalt nichts anderes als die mindestens 40 Prozent der Stimmen für die AfD. Noch ist nicht gewählt! Warum hören wir nichts über die 60 Prozent derer, die die AfD wahrscheinlich nicht wählen werden? Wer sind sie, was werden sie wählen, wie könnten andere Bündnisse aussehen?

Alle starren auf die vorausgesagte Stimmenanzahl wie das Kaninchen auf die Schlange. Selffulfilling Prophecy! Und hinterher sind alle so schockiert und enttäuscht. Stärkt die Gegenseite!

Bianca Czichy, Freiburg im Breisgau

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