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wortwechselSpritpreise sind ein Sekundärproblem

Höhere Ausgaben für Militarisierung bei gleichzeitigem massivem Abbau der Sozial- und Bildungsetats schüren die Angst der Menschen vor Krieg und Armut in Deutschland

Hohe Spritpreise durch globale Unruhen belasten die Gemüter hierzulande. Größer ist vielleicht noch die Angst vor Krieg und Armut Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Umdenken

„Kerosin wird knapp. Ärgerlich für Fluggäste. Mehr aber auch nicht“,

wochentaz vom 25. 4. – 1. 5. 26

Weltweit verdient jeder zehnte Mensch direkt oder indirekt am Tourismus. Wenn nun die Gäs­t*in­nen ausbleiben, kann das immense Folgen haben. Mir ist bewusst, dass es ein Umdenken braucht. Ich kenne auch die Zukunftsforschungen, dass das Reisen möglicherweise zum Luxusgut wird. Und ich bin definitiv dafür, dass weniger geflogen werden soll. Gerade bei Dienstreisen werden aus meiner Sicht unnötige Flüge getätigt. Aber als jemand, die schon länger in der Touristik arbeitet und die Sorgen und Nöte auch von den Part­ne­r*in­nen vor Ort kennt, hat mir der Satz „Ärgerlich für Fluggäste. Mehr aber auch nicht“ durchaus wehgetan. Leider hat die Touristik keine Gewerkschaft hinter sich, die aufzeigen könnte, was dort alles auch gerade jetzt unentgeltlich (!) geleistet wird und wie schlecht zum Teil die Löhne sind. Hier leidet eine Branche doch relativ still an den aktuellen Geschehnissen.

Lynn Benda, Hannover

Darstellung

Die Welt braucht mehr Strom – das decken jetzt Erneuerbare“,

wochentaz vom 25. 4. – 1. 5. 26

Die „Gute Nachricht“ in der wochentaz ist leider meist eine Trickserei: Da ­werden Zahlen aus einem Zusammenhang gerissen, was man bei einer Statistik nie machen darf, und so dargestellt, dass sie gut aussehen. In der aktuellen wochentaz ist mal wieder ein Meistertrick gelungen: Der globale Stromverbrauch steigt, das liegt aber laut Grafik-Erklärung nicht daran, dass die Länder des Nordens mit E-Autos oder KI-Rechenzentren nicht ans Stromsparen denken, sondern daran, dass auch die Länder des Südens endlich Strom verbrauchen können. Und das i-Tüpfelchen: Die Erneuerbaren sollen eigentlich nicht den Anstieg des Stromverbrauchs abdecken sondern die fossilen Energien ersetzen. Das tun sie aber in dem Diagramm überhaupt nicht.

Thomas Schatz, Tübingen

Raus aus den Köpfen!

Warum sind CEOs immer Männer?“,

wochentaz vom 25. 4. – 1. 5. 26

Die Autorin hat die Kinderfrage von Lior sehr fundiert beantwortet – gleichwohl verspürte ich ein mildes Entsetzen bei ihrer Formulierung, „[…] früher haben fast nur Männer GEARBEITET, während Frauen sich um Haushalt und Kinder GEKÜMMERT haben.“ Was Männer tun, ist Arbeit – doch nicht, was Frauen tun? Ich muss, hoffentlich, nicht erklären, dass diese Frauen auch ARBEITEN – sie werden halt leider nur nicht dafür bezahlt. Es sollte wirklich Zeit sein, solche Bilder in unseren Köpfen zu ändern. Sprache schafft bekanntlich Wirklichkeit.

Annemarie Haug, Böblingen

Erbrecht

Geht es in Deutschland gerecht zu?“,

wochentaz vom 25. 4. – 1. 5. 26

Kevin Kühnert geht dem Lobbyisten der „Familienunternehmen“ auf den Leim. Diese Begriffskoppelung wird nämlich von interessierter Seite bewusst schwammig verwendet. Bei „Familienunternehmen“ denkt (fast) jeder zunächst an kleinere bis mittlere, von der Familie auch tatsächlich selbst geführte Unternehmen, denen im Erbfall in der Tat niemand etwas wegnehmen will. Man müsste überdies deutlich unterscheiden, wer von der „Familie“ nur Anteile hält und wer aktiv in der Leitung mitarbeitet. Teile von Anteilen kann man, wenn der Betrieb profitabel ist, im Erbfall problemlos verkaufen. Noch schwammiger ist der Begriff „Unternehmen“. Hier müsste man klar zwischen dem produzierenden Gewerbe und anderen Unternehmen unterscheiden. Wer fünf Wohnblocks erbt, kann davon problemlos zwei abgeben. Am wichtigsten aber wäre die Erhöhung der Erbschaftsteuer auf hohe Geld-, Aktien- und Wertpapiervermögen.

Paul Geyer, Bonn

Prekariatsverwaltung?

Ein Desaster für Jugendliche und den Staat“, wochentaz vom 25. 4. – 1. 5. 26

Der „Talk der Woche“ ist teilweise sehr tendenziös, etwa wenn der Autor behauptet, dass das Bildungssystem in Hamburg abseits der Gymnasien Prekariatsverwaltung sei, was definitiv nicht stimmt. Viele Stadtteilschulen sind megabeliebt, weil man dort erst nach 13 Jahren Abitur macht und das soziale Miteinander dort eine größere Rolle spielt.

Christine Berger, Hamburg

Sparen bei Bildung

Ein Desaster für Jugendliche und den Staat“, wochentaz vom 25. 4. – 1. 5. 26

Als Lehrerin und Mutter zweier Schulkinder möchte ich gerne hinter jeden Satz Ihres Kommentars über fehlende Chancengerechtigkeit in der Schule ein Ausrufezeichen setzen. Dass Kinder ein Kostenfaktor und keine Investition sind, ist unendlich bitter, und noch bitterer ist, dass die Kinder selbst nicht gefragt werden, obwohl viele sehr gut wissen und auch ausdrücken können, wie sie lernen möchten. Obwohl ich selbst auch der Ansicht bin, dass eine Art Gemeinschaftsschule für alle Kinder das Beste wäre, halte ich momentan die Auflösung der Gymnasien für zweitrangig. Wichtiger wäre zunächst, die bestehenden Schulen besser auszustatten: mit Personal, Ma­te­ria­lien und Fortbildungsmöglichkeiten.

Melanie Schmelcher, Stuttgart

Sekundärproblem

Warum der Tankrabatt genau richtig ist“, wochentaz vom 25. 4. – 1. 5. 26

Bestimmt geht es vielen Menschen so wie mir. Sie wissen sehr wohl: Die Spritpreise sind ein Sekundärproblem. Das unsere Gesellschaft immer stärker durchdringende Gefühl ist das der Angst vor Armut und Krieg. Und dieses Gefühl hat ganz rationale Gründe. Sie liegen innenpolitisch in der unbegrenzten Ausdehnung der Ausgaben für Militarisierung und Rüstung bei gleichzeitigem massivem Abbau der Sozial-und Bildungsetats. Das und die dahintersteckenden machtpolitischen Zwänge und Interessen thematisch stärker in den Fokus zu nehmen, täte vielen Menschen gut. Rolf Alterauge, Neuwied

Opportunismus

Warum der Tankrabatt genau richtig ist,

wochentaz vom 25. 4. – 1. 5. 26

Der Autor schreibt, dass PoltikerInnen auch falsche Maßnahmen durchführen müssten, um Mehrheiten zu erlangen, damit sie dann die Welt verbessern können. Und wie weit soll man dabei gehen? Soll man das Kind ausschließlich mit Eis und Schokolade füttern, weil es quengelt? Gewählte PolitikerInnen sollen das Richtige tun. Aber sein Gewissen opportunistisch für vermutete Wählerstimmen über Bord zu werfen, ist unethisch und auch nicht erfolgversprechend.

Adam Romoth, Starnberg

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