wortwechsel: Diesseits der Schuldenbremse
Der Aktienmarkt rüstet sich für Gewinne aus der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. Polen rechnet im Notfall nicht mit US-amerikanischer Hilfe gegen Präsident Putin

Heiligenschein
„Es muss nicht überall KI rein“,
wochentaz vom 22.–28. 3. 2025
Der Ausdruck Künstliche Intelligenz wird verwendet für ein Verfahren, das Maschinen ermöglicht, durch Algorithmen Entscheidungen zu treffen, entsprechend der Auswahl der Algorithmen, die dafür eingesetzt werden.
Intelligenz bedeutet, die Erfassung und Verarbeitung von Umwelteindrücken, intellektuellem Austausch, verbunden mit Erfahrungen aus der Vergangenheit, Fantasie und Kreativität, die mittelbare oder auch fernere Zukunft mit einzubeziehen. Dies ist nicht nur dem Menschen eigen, gilt auch in der Tier- und Pflanzenwelt. Dies alles kann algorithmisches Lernen nicht, deshalb wäre es angemessener, von AL= AloLe zu sprechen oder zu schreiben, was dem unsäglichen „KI“, vor dem alle wie das Kaninchen vor der Schlange stehen, den Nimbus einer Problemlösung nehmen würde.
Christine Mollenhauer, Reutlingen
Spaßgesellschaft
wochentaz vom 15.–21. 3. 2025
Der Autor zeigt uns Lesern die Vor- und Nachzustände der Corona-Epidemie im Skiort Ischgl (Tirol) und bringt uns die ganze Widersprüchlichkeit der modernen Spaßgesellschaft aus schierer Gier, überbordendem Gaudi, abgefeimten politischen Agieren, praktischer Umweltzerstörung auf engem Raum durch seine plastische und lebensnahe Darstellung wirksam nahe.
Albert Reinhardt, Stralsund
Rüstungsindustrie
„Die Whatever-it-takes-Fregatte wird mit 2,5 Milliarden das Stück veranschlagt“,
wochentaz vom 22.–28. 3. 25
Die seit 2022 explosionsartig gestiegene und demnächst noch schneller steigende Nachfrage nach Rüstungsgütern drückt sich etwa darin aus, dass sich der Rheinmetall-Unternehmenswert binnen dreier Jahre verzwölffacht hat.
Dieser Unternehmenswert resultiert aus dem Kaufpreis der Aktien, der seinerseits die mit dem Aktienbesitz verbundene Gewinnerwartung widerspiegelt. Unser demnächstiger Kanzler Merz formuliert mit seiner Verheißung „whatever it takes!“ einen Freibrief für Preissteigerungen in alpinem Ausmaß. Einer der Nutznießer ist der an „Rheinmetall“ beteiligte US-Finanzkonzern „Blackrock“, dessen Deutschlandrepräsentant jahrelang Friedrich Merz hieß.
Was aber ist mit Sicherheit nicht zu erwarten? Eine Diskussion über die gemäß Grundgesetz zulässige Verstaatlichung der Rüstungsindustrie.
Jürgen Kasiske, Hamburg
Vereinsmeier
wochentaz vom 22.–28. 3. 25
Schade, dass es keine Schwarze afrikanische Sportfunktionärin gibt, die in den kommenden Jahren das Gesicht des IOC hätte sein können. Statt dessen nun also Kirsty Coventry. Welches Schwarze Kind hatte nach der Unabhängigkeit von Großbritannien in Simbabwe ähnlich gute Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Sport- und Bildungskarriere wie sie – ein Kind des weißen Establishments? Auch das ein bitterer Beigeschmack.
Annett Richter, Berlin
Moderner Fußball
„Volle Hütte in der Zweitklassigkeit“,
wochentaz vom 22.–28. 3. 25
In der wochentaz muss ich lesen, dass dem deutschen Frauenfußball Geld fehlt, weil er international „hinterher (…) läuft“. Die Begeisterung für den Frauenfußball teile ich gern. Aber billig ein Standardmärchen des Herrenfußballs zu wiederholen zeigt dann eher, dass da wenig kritische Auseinandersetzung mit dem modernen Fußball hinter steckt. Der Kommerzialisierung das Wort zu reden, die Wettbewerbsverzerrung, die dieses internationale „Argument“ nach sich zieht, dem Frauenfußball zu wünschen, war vielleicht nicht gewollt (s. o.), aber den Frauen-Fußball den ganzen Männerscheiß nachholen zu lassen ist nicht taz-würdig.
Jost Peter, Essen
Milliarden
„Umverteilung statt Schuldenpaket wäre besser gewesen“,
wochentaz vom 22.–28. 3. 25
Die neuen Länderschulden können ohne grundgesetzliche Einschränkungen in den staatlichen Konsum gehen. Der Bund kann die militärischen Ausgaben jenseits der Schuldenbremse finanzieren, mit einem Anteil von nur 1 Prozen des Bruttoinlandsprodukts aus dem ordentlichen Haushalt. Die Grünen haben den Spielraum für konsumptive Ausgaben noch um die (derzeitige) Höhe der sonstigen Sicherheitsausgaben erhöht.
Jedem muss klar sein, dass diese Milliarden vor allem zu Lasten der Besserverdiener und Vermögenden finanziert werden. In erster Linie wohl über Inflation. Am stärksten werden es wohl die Rentner der berufsständischen Versorgungswerke zu spüren bekommen, die schon am letzten Inflationsschub zu leiden hatten.
Also jede Menge zusätzliche Umverteilung von oben nach unten. Soweit heutige Rentner begünstigt werden: So weit nach unten auch wieder nicht. Die politische Gegenleistung der SPD wird wohl weitgehend ausbleiben.
meerwind7 auf taz.de
@meerwind7:
Inflation trifft in der Regel Rentner, Bezieher staatlicher Leistungen und diejenigen Berufsgruppen, deren Reallöhne sinken oder die als kleine Selbständige nicht in dem Maße die Preise erhöhen können. Die wirklich Vermögenden gehören aber nicht zu den Verlierern, denn die Vermögenspreise (Aktien, Immobilien, Gold) steigen ja auch, meist sogar stärker als die Verbraucherpreise.
Kohlrabi auf taz.de
Polen rüstet auf
„Im Ernstfall ohne die USA“,
wochentaz vom 22.–28. 3. 25
Die Autorin schreibt, dass im September 1939 die Polen erwarteten, dass nach dem Überfall Deutschlands und der Sowjetunion die damaligen Bündnispartner Großbritannien und Frankreich Hitlerdeutschland den Krieg erklären und Polen militärisch verteidigen würden. „Doch die europäischen Westalliierten (damals „die Alliierten“, noch ohne den Zusatz West) (…) ließen Polen im Stich.“
Diese Aussage ist nach meiner Auffassung so nicht zutreffend, denn Frankreich und Großbritannien haben tatsächlich Deutschland den Krieg erklärt, auch wenn sie zu diesem Zeitpunkt nur unzureichend gerüstet waren, sodass eine Offensive in das deutsche Reichsgebiet nicht möglich war und man sich zuerst auf die ab Frühjahr 1940 erfolgende deutsche Westoffensive vorbereiten musste.
Martin Wedig, Sassenberg
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