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unterm strichApril, April: Wagners Antisemitismus ist Weimer weiter egal

VonBenno Schirrmeister

Beim Text „Weimer will Bayreuth den Stecker ziehen“ handelt es sich um einen Aprilscherz. Der Beitrag, am 1. April in der taz erschienen, kolportierte vermeintliche Überlegungen des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, die jährliche Millionenförderung der Richard Wagner gewidmeten Bayreuther Festspiele auf den Prüfstand zu stellen. Zudem habe Wolfram Weimer seine Amtsvorgängerin dafür kritisiert, mit Bundesmitteln in Höhe von 84,5 Millionen Euro die Sanierung des oberfränkischen Festspielhauses zu bezuschussen.

Weder diese Kritik an der Förderzusage noch irgendwelche Kürzungsüberlegungen hat es gegeben. Richard Wagners notorischer Judenhass, auf dessen Bedeutung für seine Kompositionen er in musiktheoretischen Schriften selbst hingewiesen hat, steht dem in keiner Weise entgegen.

Noch weniger Bedeutung werden seinen politischen Bestrebungen beigemessen: Mit seinem engen Freund Michail Bakunin teilte Wagner neben dem Judenhass auch den Wunsch nach einer weitgehenden Vernichtung des Bestehenden; bei Wagner in packende Visionen vom Weltenbrand ver­wandelt.

Totalitäre Systeme haben gern auf diese Ästhetik zurückgegriffen. So sind auch die im Beitrag referierten geschichtlichen Fakten in Bezug auf die Rezeption auch durch das bolschewistische Regime historisch belegt: Nachdem im Ersten Weltkrieg der Zar die Aufführung von Werken des Deutschen verboten hatte, wurde seine Musik nach der Oktoberrevolution bei offiziellen Anlässen bevorzugt eingesetzt. So spielte man Wagner bei der Einweihung des Denkmals für die ­Opfer der Februarrevolution 1920 in Petrograd im Beisein der Staatsführung.

Dort waren zudem laut Pauline Faircloughs Untersuchung im selben Jahr „Parsifal“, „Lohengrin“, „Die Walküre“ und „Die Meistersinger“ produziert worden. Bei Lenins Grablegung 1924 wurde „Siegfrieds Trauermarsch“ aus der „Götterdämmerung“ gespielt. Zudem sollen zahlreiche mobile, halbszenische Aufführungen von Wagner-Opern stattgefunden haben, die nur lückenhaft dokumentiert sind. Auch, dass Wolfram Weimer weiterhin als Kulturstaatsminister amtiert, entspricht der Wahrheit und ist, anders als in einigen Zuschriften vermutet, kein makabrer Scherz.

Benno Schirrmeister

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