taz Talk zur neuen App Clubhouse: Die Wut des Bodo R.

Bei Clubhouse unterhalten sich fremde Menschen miteinander. Jan Feddersen und Anne Fromm im Gespräch über die App, die Bodo Ramelow in Rage bringt.

Merkelchen, Candy Crush, Clubhouse und Co. – auch Ministerpräsidenten sind nur Menschen Foto: picture alliance/dpa/Martin Schutt

Die Frage im taz Talk war: Wie über Clubhouse reden, wenn es sowieso schon alle tun? Ist es erhellend, sich mit dieser App der Versuchung zu ergeben, etwa mit FDP-Chef Christian Lindner, SPD-Bossin Saskia Esken, CSU-Digitalstaatssekretärin Dorothee Bär oder Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern zu treffen, quasi wie in einem Clubnebenraum auf die Clouches zu leben.

Die iOS App, die seit zwei Wochen in den deutschen App Stores zur Verfügung steht, blickt auf einen erfolgreichen Start zurück: einen gleich 2 Zentimeter dicken Stapel an Zeitungsartikeln hatte Moderator Jan Feddersen dabei. Doch was ist eigentlich der Reiz, der Clubhouse so attraktiv macht? Im taz talk #92 (vom 27.01.2021) urteilt taz2 Medienredakteurin Anne Fromm: Unter dem „Anschein der Exquisität“ werden hier Räume der Begegnung möglich gemacht, die der Öffentlichkeit verschlossen waren.

Auch Politiker:innen wie bspw. Bodo Ramelow ermöglichen in einem vermeintlich intimen Rahmen Einblicke in ihr Leben. Man dürfe, so Anne Fromm, niemanden verurteilen, der sich auf die (schein-)intime Atmosphäre in den Kommunikationsräumen dieser App einlässt. Aber: Dass dies besonders für Politiker:innen zur Tücke werden kann, hat der Linke-Politiker schon zu spüren bekommen, nachdem er sich, von Wein und List verführt, sexistisch über Angela Merkel äußerte. „Das Merkelchen“ zu sagen war männliches Machtgehabe, gestand er später. Doch: „Es ist nicht alles politisch, was auf Clubhouse passiert“, betont Anne Fromm.

Wie gut stehen also die Erfolgschancen für die App, wenn nicht mehr alle vor Kälte und Pandemie in ihre Häuser flüchten? Wie umgehen, mit einer neu-geschaffenen, vermeintlichen Öffentlichkeit, die jedoch nur für Apple-Nutzer:innen mit Einladung zugänglich ist? Überhaupt: Ist „Clubhouse“ ein Phänomen, das nur in vereinsamenden Coronazeiten aufploppt – oder bleibt der Reiz des Kommunikativen (mit allen in Kontakt treten zu können) auch über die pandemische Zeit hinaus bestehen?

Weitere Fragen wirft die App auch noch in Bereichen der Datensicherheit und dem Umgang mit Hate Speech auf – auch im Hinblick auf den Preis, den die Clubhouse-App abfordert: Man darf dort nur jemanden einladen, wenn man zuvor im Smartphone die eigene Telefonliste freigegeben hat.

Eines ist jedoch klar: Wir werden noch einige Male darüber reden — aber eben nicht auf der Couch mit Christian Lindner oder Bodo Ramelow, sondern im gewohnten taz Talk-Setting.