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taz Salon am 15. Oktober Geschlossene Heime

Nach Feuerbergstraße und Haasenburg: Diskussion über Alternativen zu geschlossener Unterbringung.

Bild: dpa

Hamburg hat seit 2008 über 50 Kinder in die Skandalheime der brandenburgischen Haasenburg GmbH geschickt. Und schon wieder stehen Kinder auf der Warteliste für geschlossene Unterbringung. Warum erlauben Familiengerichte das Einsperren von Kindern zum Wohle des Kindes? Und was müsste sich ändern, damit die Sorgeberechtigten und Jugendämter auf diesen Schritt verzichten?

In einem geschlossenen Heim vor Ort ließe sich besser als in einem anderen Bundesland kontrollieren, ob Menschenrechte und pädagogische Standards eingehalten werden . Doch Hamburger Trägervertreter wie Martin Apitzsch vom Diakonischen Werk sagen, es gibt in der Stadt bereits gute offene Angebote, die nur besser genutzt und vernetzt werden müssen.

Beispielsweise durch einen "Kooperationspool", wie ihn Professor Michael Lindenberg von der Evangelischen Hochschule für soziale Arbeit vorschlägt. Dort würden erfahrene Pädagogen und Erzieher ihr Know-How bündeln, schreibt er: "Die wenigen besonders ,Schwierigen' werden hierher gemeldet, und die Expertengruppe entwickelt umgehend die passende Reaktion". Das bedeute "unter Umständen auch, dass ein Jugendlicher zwei Wochen rund um die Uhr nicht aus den Augen gelassen wird." Aber eben ohne geschlossenes Heim.

Auf ähnliche Weise hat es Hamburg in den 1980er Jahren geschafft, ganz auf geschlossene Unterbringung zu verzichten. Doch in den 1990ern geriet diese Linie in Kritik. Als "Crash-Kids" ihr Leben durch Autofahrten in Gefahr brachten, wurden in den Medien die Trommeln für neue geschlossene Heime gerührt. Bis schließlich die Schwarz-Schill-Regierung zur Tat schritt und mit hohen Zäunen rund um das Heim in der Feuerbergstraße Fakten schuf.

Seither gilt in Hamburg Delinquenz und normabweichendes Verhalten wieder als Grund für geschlossene Unterbringung. Müssen wir wieder lernen, normabweichendes Verhalten als vorübergehende Erscheinung der Pubertät auszuhalten? Was brauchen Kinder und Jugendliche, die nicht mehr bei ihren Eltern leben können?

Darüber diskutieren wir mit:

Michaela Huber, Traumatherapeutin, Göttingen

Dietmar Glöge, Neukirchener Erziehungsverein Hamburg

Dorothee Bittscheidt, Kriminologin, ehemals Leiterin des Amtes für Jugend

Ulrich Engelfried, Familienrichter

Jaqueline Gebhardt, KIDS/basis & woge e.V. für Straßenkinder

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