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taz🐾lageWider den Tunnelblick

Schichtwechsel: Nach ein paar Jahren als freier Autor und vorher drei Jahrzehnten beim Handelsblattund Axel Springer Verlag arbeite ich jetzt für ein paar Wochen in der taz-Auslandsredaktion. Neben dem Verfassen eigener Texte über Osteuropa und den Mittleren Osten, Regionen, die ich jahrzehntelang immer wieder bereist habe und wie gerade die Ukraine oft bereise, rücken dadurch auch andere Gebiete in meinen Fokus. Statt zu recherchieren und zu schreiben, redigiere ich nun die Texte von Kolleginnen und Kollegen.

Erspart bleibt mir die Herausforderung, Reisen und Interviews zu organisieren, dafür kämpfe ich noch etwas mit dem Redaktionssystem. Das ist in jedem „Laden“ anders, aber immer kompliziert. Gerade für ältere Semester, ich bin Jahrgang 1965. Wenn das nur die KI erledigen könnte … Dann könnten wir einfach den Text schreiben, in einen virtuellen Kasten einfügen und fertig. Schön wär’s.

Doch Redaktionsarbeit hat auch etwas Gutes: Man arbeitet täglich eng mit anderen Menschen zusammen, lernt neue Kolleginnen und Kolllegen kennen, sieht bekannte Gesichter wieder, wie Eva Fischer und Eric Bonse, die ich noch vom Handelsblatt kenne. Bei taz nord habe ich sogar Leute wieder getroffen, die ich noch aus dem Studium in Hamburg kenne!

An der Arbeit selbst gefällt mir, dass ich Texte über Länder lesen darf, die ich früher nicht aktiv auf dem Schirm hatte, da ich sie nun redigieren muss. Das verhindert einen Tunnelblick und erweitert die Wahrnehmung: für die Massenproteste in Frankreich und Italien, den milliardenschweren Wahlkampf in den USA sowie die Schicksalswahlen in Israel und Brasilien. Beim Redigieren ist man immer der erste Leser. Ein echtes Privileg. Mathias Brüggmann