taz🐾lage: Mittagspausenrätsel
Zugegeben, das Zittern der Hände stört etwas. Es liegt aber nicht wie bei manchen Alkoholikern am fehlenden Bierchen zum Frühstück, sondern an der besonderen Mittagspause, die ich mir heute gönne. Und jetzt raten Sie mal, wie die aussieht!
Schon in der Redaktionskonferenz, die wir morgens hybrid abhalten, wurde ein Kollege ob des hübschen Hintergrunds ganz neugierig, wo ich mich aufhalte. Hinter meinem Kopf sah er blauen Himmel, Sonnenschein und ein paar gut trainierte, tätowierte Typen vorbeilaufen. „Lotte, bist du auf Föhr?“, fragt er im Chat. „Nee.“ Und auch nicht beim Punkertreffen in Sylt, falls das jetzt jemand denkt. „So wenig, wie wir bei der taz verdienen, sollten wir es uns beim Arbeiten schön machen“, findet indes eine Kollegin aus dem Auslandsressort.
Gegen 12.30 Uhr habe ich als Chefin vom Dienst dann endlich die Seiten für morgen fertig geplant, die Beiträge angelegt, die Autoren „in die Spur geschickt“, wie es in unserem Jargon heißt, und diese waren fleißig am Schreiben. Ab dann heißt es für Redakteur*innen wie mich abwarten. Während meine Kolleg*innen in Berlin sich jetzt einen Döner holen oder ihre Stulle mampfen, werde ich gleich eine Gabel in den Händen halten. Aber die ist nicht zum Essen. Und das Tuch vor mir deckt auch keinen Tisch.
In Windeseile ziehe ich mich um, zurre das Trapez fest, Helm nicht vergessen, laufe an die Kante, steige ein, stecke zwei Teile zusammen, wate noch ein paar Meter Richtung Westen, und looos gehts! Im richtigen Moment springe ich auf, hake mich ein, trete leicht nach unten und lasse mich „abfallen“. Um mich herum surrt und pfeift es. Die Sonne strahlt. Ich gebe Druck auf die vordere Hand und schiebe meinen Fuß in die Schlaufe. So werde ich bis zu 40 Stundenkilometer schnell. „Oh Gott, ist das geil! Wer braucht schon Sex, Drugs ‚n‘ Rock ‚n‘ Roll, wenn man … kann!“, denke ich. Und während ich – so glücklich wie selten – über die Wellen fliege, fange ich an, in Gedanken diesen Text zu formulieren. Nie war Arbeiten in der Mittagspause schöner – als beim Windsurfen. Lotte Laloire
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