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taz🐾lageGestatten, mein Name ist Escobar

Mein Name ist José David Escobar und ich komme aus Medellín in Kolumbien. Ich bin Journalist und mit einem Stipendium des Internationalen Journalistenprogramms IJP hier zu Gast in der taz. Sie denken jetzt vielleicht: Escobar? Aus Medellín? Nein, keine Sorge, ich habe keine Verbindungen zum berühmten Drogenkartellboss Pablo Escobar– mein Nachname ist einfach nur ein sehr häufiger in Medellín.

Da wir das nun geklärt hätten, doch noch ein paar Worte zu meinem berühmten Namensvetter. In Kolumbien arbeite ich für die Zeitung El Espectador. Als Pablo Escobar der Öffentlichkeit als Geschäftsmann bekannt und als Politiker in den Kongress gewählt wurde, hat ihn ebendiese Zeitung als Drogenhändler bezeichnet.

Später, im Jahr 1986, hat dieser Mann, dessen Namen viele nicht einmal in den Mund nehmen wollen, den Herausgeber der Zeitung, Guillermo Cano, ermordet und eine Bombe im Newsroom platziert. In Kolumbien sind Witze über Escobar in etwa so heikel wie hier Witze über Hitler.

Aber nein, ich nehme es nicht persönlich, dass Pablo Escobar das Erste ist, was Menschen mit meinem Land assoziieren. Hollywood hat Escobar in diversen Filmen porträtiert, aber das Ergebnis ist eher dürftig. Dürftig einerseits, weil Escobar dort glorifiziert wird, und andererseits, weil in Charakter und Sprache einige Dinge verloren gehen, die aber charakteristisch sind für die kolumbianische Kultur. Netflix hat es übrigens besser gemacht: Schauen Sie sich mal „Escobar, el patrón del mal“ an.

Wie dem auch sei, wussten Sie, dass die erste Ausgabe der taz, die Nullnummer vom 22. September 1978, einen doppelseitigen Bericht des kolumbianischen Schriftstellers und Nobelpreisträgers Gabriel García Márquez beinhaltete? Márquez schrieb über den Sieg der sandinistischen Revolution in Nicaragua. Kolumbien ist eben mehr als Escobar.

José David Escobar

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