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taz🐾lageDas Existenzrecht der lage steht infrage

Liebe Leser*innen, was halten Sie eigentlich von diesem Format hier, von der „taz-lage“? Eine interne Recherche dazu hat ein überraschendes Ergebnis gebracht. Voller Elan ist die zuständige Redakteurin am Dienstagmorgen losgetrabt. Schnell fiel auf: An pikanten Storys mangelt es in der taz nicht. Ebenso wenig an Mitarbeitenden, die den Gossip morgens gleich als Erstes gierig verschlingen. Aber es mangelt – wie so oft – an Autor*innen, die diesen aufschreiben! Der Kollege aus dem Inland hat die Hand gebrochen. Die neue Feminismus-Redakteurin hat an ihrem ersten Tag definitiv Wichtigeres zu tun. Das Social-Media-Team winkt kollektiv ab, als sich die taz1-Redakteurin auch nur nähert. Ein Spaßvogel schlägt vor, dass ich meine Meinung zum Nahostkonflikt kundtun könnte. Zu einer noch abstruseren Idee versteigt sich nur der Chef-Layouter: „Habt ihr nicht so ’ne Art Porto-Kasse, aus der du 20 Euro anbieten kannst …?“, schlägt er vor. Geld für Arbeit?? In der taz?

Ob als Ausrede oder ernst gemeinte Kritik – fordert die Mehrheit der taz1-Kollegen gleich ganz die Abschaffung des Formats. Einer sagt, er „verachtet die lage“. Einem anderen ist sie „peinlich“. Weil sie ein wenig selbstreferenziell ist? „Ja, eine totale Nabelschau! Noch unangenehmer, als dass wir sie schreiben, finde ich nur, dass Leute sie lesen“, sagt der*­die Redakteur*in, der sich aus Angst vor wütenden Leserbriefen hinter einer geschlechtsneutralen Bezeichnung verstecken möchte. „Ich find die schon süß“, verteidigt ein anderer taz1-Kollege das Format halbwegs inbrünstig. „Aber sie sollte nur gedruckt werden, wenn es wirklich etwas zu sagen gibt.“ Es soll ja Leute geben, die sich das von Journalismus generell wünschen. Noch besser wurde die lage nur noch, als diese plötzlich verschwunden war! Sie war gerade fertig getippt, da stürzte der Computer ab! Ein Zeichen? „Wenn gleich der Dritte Weltkrieg ausbricht, interessiert die lage sowieso niemanden mehr“, tröstet der Anti-lage-Kollege.

Aber, liebe Lesende – Demokratie hin oder her – keine Sorge! Ohne Zustimmung der Ressortleitung, die im Osterurlaub weilt, wird hier gar nichts abgeschafft. (lol)

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