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taz🐾lage

Da hilft nur Hollandaise

„Oh nein, doch kein Spargel“, rief die Kollegin von der anderen Tischseite genervt. „Was? Ich freue mich schon den ganzen Tag darauf!“, ruft jemand anderes aus der Ecke. Zur Mittagszeit vergessen die taz­le­r*in­nen gern die großen und kleinen Sorgen der Weltgeschichte und befassen sich mit dem, was direkt vor ihnen liegt. Heute: Spargel mit veganem Schnitzel übergossen mit Hollandaise an Petersilienkartoffeln. Schnell sind die paar Stockwerke zur Kantine überwunden, neugierig blicken wir über die halbleeren Teller der anderen Gäste. Doch es drängt sich eine Frage auf: Wie der Spargel wohl schmeckt, so früh im Jahr? Müsste er nicht noch ein wenig schlummern dürfen im warmen Bett der Erde? Mangels besserklingenden Alternativen bestellt selbst die spargelskeptische Kollegin eine Portion. Der erste Biss überzeugt nicht alle: Ein wenig holzig sei er, murrt eine, aber nein, ganz fantastisch sei er, entgegnet ein anderer. Eine große Schüssel Hollandaise, die von der lieben Kollegin aus der Küche geholt wird, überzeugt am Ende auch die Kritiker*innen. Glücklich tunken wir die restlichen Kartoffelstücke in die Soße. Ein Happy End? Wohl kaum! Beim Bezahlen der Schock: Das Gericht kostet statt drei nun vier Euro. „Spargel ist eben teuer“, sagt die Küche. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass der Spargel nicht, wie etwa unser lokales Havelländer Apfelschwein, aus dem regionalen Umland kommt? Wurden die weißen Stängel etwa eingeflogen? Aus Spanien mit dem Lkw geliefert, bestätigt die Küche. Und wie stehen wir nun zum Spargelgate? „Geschmacklich stehe ich hinter dem Spargel“, gibt ein Inlandsredakteur am Telefon zu. „Doch politisch lehne ich das Gemüse weiterhin ab.“ Daria Schmaco

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