serie: Ohne Liebe auf den ersten Blick
„Love Story“ erzählt die Kennedy-Liebesgeschichte neu. Trotzdem kriegt man davon nicht genug
Ein Blitz. Noch einer. Auf dem roten Teppich dreht sich John F. Kennedy Jr. (Paul Anthony Kelly) routiniert in die Kameras. Carolyn Bessette (Sarah Pidgeon) steigt währenddessen aus dem Taxi. Am Rand der Fotografen versucht sie, sich ins Gebäude zu schleichen. Für einen flüchtigen Moment treffen sich ihre Blicke.
Das ist mehr als eine kitschige Romanze. „Love Story“ erzählt eine der berühmtesten Liebesgeschichten der 1990er-Jahre. Die Art von Geschichte, von der man nicht genug bekommt, selbst wenn man sie bereits kennt. Eine Geschichte ohne Liebe auf den ersten Blick. Dafür aber mit Medienspektakel. Dem widmet sich die neue Serie von Produzent Ryan Murphy.
Bessette, die sich ihren Aufstieg selbst erarbeitet hat – von der Verkaufsassistentin zur PR-Managerin bei Calvin Klein –, lebt ein privates Leben. Sie wirkt zurückhaltend, verschlossen und teilt nur sehr ungern ihre Geheimnisse. Kennedy hingegen ist als Sohn des ehemaligen US-Präsidenten John F. Kennedy längst eine öffentliche Figur, „the closest thing to American royalty“, wie es im Pressematerial zur Serie heißt.
Mit dieser Asymmetrie arbeitet die Serie: Während Kennedy von klein auf von Paparazzi verfolgt wird, wird Bessette – eine bis dahin unbekannte Person – erst durch die Beziehung zur Projektionsfläche und später zur Stilikone, die sich plötzlich nicht mehr unbeobachtet bewegen kann.
Das zieht. Auch wenn Kennedys Neffe Jack Schlossberg die Serie scharf kritisiert, vom Vermächtnis seines Onkels zu profitieren.
Vielleicht liegt der Erfolg von „Love Story“ auch daran, dass wir tragische Geschichten lieben. Spoiler: Die beiden starben 1999 bei einem Flugzeugabsturz. Vielleicht liegt es aber auch an unserer Faszination mit Mythen um Monarchien und Dynastien.
Nicht zuletzt aber dürfte die Serie deswegen so gut ankommen, weil die Gen Z Carolyn Bessette gerade als Inbegriff von „effortlessly cool chic“ wiederentdeckt.
Rumeysa Ceylan
„Love Story“, bei Disney+
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen