schüler protestieren: "Keine Wiederholung, keine Wiederholung"
5.000 Schüler demonstrieren vor dem Roten Rathaus gegen die erneute Mathe-Prüfung. Schulsenator hat keine Zeit für die erregten Jugendlichen.
Sie sehen es nicht ein: Nur weil einige ihrer Mitschüler bei den Mathematikprüfungen für den Mittleren Schulabschluss mogelten, müssen nun alle Berliner Zehntklässler nochmal ran. Dagegen protestierten am Montag 5.000 Schülerinnen und Schüler auf ihrem Lieblingspausenhof, dem Alexanderplatz.
Auch Philipp und Enrico vom Otto-Nagel-Gymnasium sind gekommen. "Das ist nicht fair", schimpft Enrico über die Entscheidung von Schulsenator Jürgen Zöllner (SPD). "Die da machen die Fehler und wir müssen es ausbaden", sagt er mit Blick auf das Rote Rathaus. An ihrer Schule habe keiner geschummelt, schwören die beiden.
Die meisten der Demonstranten können Geschichten über die Prüfungsaufgaben erzählen - vom Hörensagen. So berichtet Philipp, eine Freundin von ihm hätte die Lösungen kaufen können für 10 bis 20 Euro. Sie habe abgelehnt. Er selbst hätte aber geschmummelt, wenn er an die Lösungen gekommen wäre.
David vom Freiherr-von-Stein-Gymnasium gibt sogar an, einer Klassenkameradin seien die Lösungen von einem Mitglied der Komission angeboten worden, welche die Aufgaben ausgearbeitet hat. Seine Mitschüler nicken unterstützend. Für die Situation sei der Senat verantwortlich, meint David. Aber auch die Schummler müssten bestraft werden.
Johannes von der Marien-Oberschule meint, die Verwaltung habe die Aufgaben zu früh ausgeteilt. Lee Hielscher, Sprecher der Landesschülervertretung, moniert, dass die Tresore in manchen Schulen nicht groß genug gewesen seien, um die Klausuren wegzuschließen.
Dann laufen die Schüler vom Neptunbrunnen Richtung Rathaus. Dort werden sie von der Polizei gestoppt. Es fliegen Plastikflaschen, Äpfel und Stifte in Richtung der Beamten. Die Menge wird aggressiver. Ali von der Carl-Zeiss-Oberschule in Wedding kommentiert: "Das muss so sein, sonst hören die uns nicht."
Über die Lautsprecher eines Polizeiautos kritisiert derweil Peter Sinram (GEW) die Unprofessionalität des Senats: Wenn der nicht in der Lage sei, eine zentrale Prüfung vernünftig durchzuziehen, dürfe er nicht die Schüler bestrafen. Die rufen "Keine Wiederholung, keine Wiederholung", während eine Glasflasche auf dem Polizeiauto zerplatzt.
Die Schüler Heiko Hildebrandt und Florian Möbius, die gemeinsam mit fünf Mitschülern die Demonstration organisiert haben, sammeln Unterschriften, die sie dem Bildungssenator vorlegen wollen. Dafür werden sie im Anschluss an die Demonstration von der Polizei zur Schulverwaltung gefahren. Doch der Senator hat keine Zeit. "Wir haben da nur mit einem Typen gesprochen, der hieß Pokall oder so", sagt Hildebrandt sichtlich enttäuscht. "Wahrscheinlich schmeißt der die Listen eh nur in den Müll." Wie sich später herausstellt, ist Hans-Jürgen Pokall Landesschulrat.
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